Web Analytics und Social Media

Lange Zeit hat sich die Webanalyse eher darauf konzentriert, die Daten von Usern auf den eigenen Webseiten zu sammeln und sie auszuwerten. In Zeiten von Social Media findet jedoch mittlerweile ein Großteil der analysierbaren Interaktion in sozialen Netzwerken wie Xing, Facebook, MySpace und Twitter statt. Laut einer aktuellen Nielsen-Studie sind 51 Prozent der deutschen Internetnutzer bereits in Social Networks oder Blogs aktiv. Das verlangt eine neue Herangehensweise an das Webcontrolling.

Aus diesem Grunde haben wir uns die Anbieter im Web Analytics Markt in diesem Umfeld ein wenig genauer angesehen. Eine kleine Recherche auf Twitter zum Beispiel ergab folgendes spannende Bild:

  1. coremetrics hat einen toten Twitter Account (@coremetrics).
  2. Webtrekk, Nedstat und etracker sind gar nicht aufzufinden.
  3. WebTrends twittert vermutlich automatisiert seine Blog Posts.
  4. Omniture hat seinen Helpdesk (aka “LiveSupport” oder “CustomerCare”) unter @OmnitureCare erreichbar gemacht und twittert tägliche Tipps und Tricks und beantwortet (!) Anfragen. Omniture ist damit einzigartig unter den Anbietern.
  5. Eine Twittersuche nach “Web Analytics” (#wa, #webanalytics) ergab, dass fast alle renomierten Persönlichkeiten auf internationaler Ebene mit eigenen Accounts vertreten sind: @JimSterne, @AvinashKaushik, @erictpeterson, @immeria (Stephane Hamel, WASP) und viele andere mehr
  6. Schränkt man die Suche nach “Sprache Deutsch” ein, gibt es erst wenige Treffer.

Die deutsche Web Analytics Gemeinde scheint Twitter (noch) nicht wirklich für sich entdeckt zu haben. Ich bin jedenfalls seit einiger Zeit selbst am Twittern und freue mich über neue Follower. Falls Sie noch weitere Twitterer kennen, die sich mit Web Analytics auseinandersetzen, können Sie unsere kleine Liste gerne in den Kommentaren ergänzen.

Für Unternehmen wird das Brand Marketing auf den Social-Media-Plattformen immer wichtiger, weil die Nutzer immer mehr Zeit dort verbringen. Das zeigt auch der Nielsen-Report. Dies hat auch Eric T. Peterson kürzlich in seinem Blog in einem interessanten Artikel über Web Analytics und Twitter geschrieben. Insofern bleibt die Frage, was die renomierten Web Analytics Anbieter an Funktionen bereitstellen, um diese Plattformen im Hinblick auf eigene Aktivitäten mit zu analysieren (mal abgesehen von Erics Twitalyzer). Gestern fand ich via einem Tweet  von @LaurenFisher heraus, das Omniture Twitter Daten importieren und mit den in der eigenen Site gemessenen Daten zur Analyse verknüpfen kann.

Es ist sehr schwierig Analyseanbieter und Plattformen zu kategorisieren bzw. von einander abzugrenzen. Von reinen Bloganalyse-Tools wie Nielsen Blogpulse bis hin zu Social Media Spezialisten wie Radian6 reicht die Bandbreite der angeboteten Services. Im Guide to Social Media Analysis von August 2008 werden sogar 63 Anbieter miteinander verglichen.

Was kann Social Media Analytics eigentlich überhaupt leisten? Es sollte zumindest eine  Analyse von folgenden Diensten bieten:

• Blogposts und -kommentare
• Foren, Diskussionsplattformen
• Produkt Review Seiten (Idealo, etc)
• Foto- und Videosharing-Sites (Flickr, Youtube)
• Podcasts
• Social Networks
• Social Newssites, Social Bookmarking
• Microblogging (Twitter, Friendfeed)

Im kommerziellen Umfeld gibt es folgende Tool-Anbieter, die eine  Social Media Analyse unterstützen:

Nielsen Buzzmetrics
Radian6
• Omniture hat sogar eine Produktseite für „Web 2.0 Optimierung
Attentio Brand Dashboard
Visible Technologies TruCast
Techrigy SM2
trackur

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an kostenlosen Social Media Tools:

BuzzMonitor von der World Bank
• Google Alerts
• Technorati
• FriendFeed
• Yahoo Pipes

Es stellt sich letztlich die Frage, wer nutzt diese Social-Media-Angebote derzeit für sein eigenes Marketing und analysiert bereits die Effizienz der eigenen Online-Maßnahmen…

>> Zusammenstellung von 50 Tools auf Mashable
>> Omniture SiteCatalyst adds Twitter Analytics for Brands
>> Radian6 ist generell auf Social Media ausgerichtet
>> Liste freier bzw. Trial-basierter Tools
>> Nielsen Buzzmetrics Blogpulse (freies Tool zur Blogosphäre)
>> Nielsen Buzzmetrics (kostenpflichtiges Tool, Allround)
>> Blogpost bei mashable über Reputation Tracking Tools, auch anwendbar auf Social Media Analyse


am 10. März 2009 unter Analytics
1 Comment

Die “Web 2.0-Analytics” steht erst am Anfang

Seien wir mal ehrlich: Es gibt noch kein Web-Analytics-Tool, mit denen Web 2.0-Anwendungen effizient analysiert werden könnten. Für Techniken wie Ajax und Flex fehlen schlüssige Konzepte.

Alle uns bekannten Tools gehen von der Grundgröße „Seitenabruf” bzw. “PageView” aus - aber diesen kann man für das Kampagnentracking im Web 2.0 nicht gebrauchen. Um das Web 2.0 analysieren zu können, müssen wir uns von Messgrößen wie „PageViews” lösen. Einen interessanten Vorstoß macht das OpenSource-Tool PIWIK, das die Maßeinheit „Actions” bietet. Auch der Ansatz des US-Startups Buddy Media klingt sehr interessant, die MediaPost schrieb den guten Artikel “BuddyBrain’ Helps Clients Track Social Apps” darüber.

Auch die Aufgabe, in einem Shop mit Community-Charakter Arten und Typen von Usern und deren Beziehungen untereinander langfristig identifizierbar zu machen, kann derzeit von keinem etablierten System geleistet werden. Es gibt erste Ansätze, aber wenn man sich funktionierende Einkaufs-Communities wie smatch.com ansieht, muss man feststellen: Die Visualisierung der Benutzertypen und ihrer Beziehungen sind derzeit noch nicht mit Standardtools abbildbar. Den „User Generated Content” hingegen kann man mit allen am Markt befindlichen Lösungen recht gut messen.

Wie sollte ein gelungenes Web 2.0-Analytics-Tool beschaffen sein? Wir sind gespannt auf alle Lösungsvorschläge, die noch kommen werden.


am 17. September 2008 unter Analytics

Die Welle 2.0 rollt

Man kann es nicht mehr hören: Alles muss jetzt 2.0 sein.

Auch Web Analyse muss jetzt 2.0 sein. Nicht nur Toolhersteller wie etracker, nein, auch Agenturen versuchen sich jetzt mit einem angehängten - und Fantasielosen - 2.0 vom Mitbewerb abzusetzen.

Aus meiner Sicht signalisiert das eine gewisse Ratlosigkeit und zeugt gleichzeitig von wenig Sachverstand. Geht es doch bei “Web 2.0″ nicht um neue Technologien, sondern um eine geänderte Art des Umgangs mit dem Medium Internet durch die Anwender - etwas, was im Markt für Web Analyse Tools mit Applikationen für Business User so gar nicht anwendbar ist.

Aber Hype ist, wenn alle mitmachen - und sei es noch so unreflektiert…


am 12. Dezember 2006 unter Analytics