Aus Datenschutzgründen wird Internet-Nutzern immer wieder geraten, sie sollten doch die “gefährlichen Cookies” in ihren Browsern löschen, diese auf keinen Fall akzeptieren und überhaupt alles Erdenkliche anstellen, um diese von der Festplatte zu radieren. Das ist bestimmt gut gemeint und im Sinne einer Anonymisierung und des Schutzes der Privatsphäre auch superkorrekt!
Aber ich bekenne: Ich gehöre zu den Verweigerern dieser Ratschläge - ich lösche keine Cookies. Aktuell habe ich rund 500 Cookies auf meinem PC. Und es ist mir egal, von wem und warum die dort sind. Ich lösche sie nicht und lasse sie, wo sie sind. Im Gegenteil: Ich habe sogar meinem Virenscanner und meinem CCleaner beigebracht, Cookies nicht zu löschen.
Der Grund ist ein ganz einfacher: Ich mag es, wenn man mich auf einer Website wiedererkennt - genauso, wie ich es mag, wenn mich die Bäckereifachverkäuferin morgens begrüßt. Ich würde nicht auf die Idee kommen, solche Läden mit Verkleidung zu betreten, jeden Morgen mit einer anderen, damit ich um Gottes willen nicht wiedererkannt werde. Kurzum: Ein bisschen Eitelkeit darf sein, deshalb lösche ich meine Cookies nicht.
Zugegeben, das klingt etwas pathetisch, aber es ist einfach an der Zeit, mal etwas Gutes über Cookies zu sagen. Es sind kleine Helfer, die viele Dinge im Internet einfacher und bequemer machen:
- Man wird automatisch auf Websites eingeloggt.
- Websites speichern individuelle Einstellungen in Cookies und ich muss nicht jedesmal neu konfigurieren.
- Shops wissen, was ich mag und bieten mir interessante Dinge an.
- Ich genieße Einkaufsvorteile, weil ich einen Cookie besitze und der Shop mich als Stammkunden wiedererkennt.
- Websites tauschen untereinander Daten aus und Social-Media-Applikationen “sprechen” untereinander, weil ich deren Cookies akzeptiere.
Cookies wurden weder von der CIA, noch von der NSA und schon gar nicht vom BND erfunden, sondern von Site-Betreibern und Webserver-Programmierern, die einfach wissen wollen, wer da virtuell vor ihnen steht. Diese erfahren auch nichts “von mir”, sondern lediglich über mein Internet-Benutzungsverhalten, also einen recht schmalen und einseitigen Ausschnitt meiner “Persönlichkeit”.
Für wesentlich “gefährlicher” halte ich Rabattkartensysteme, weil sie in der Lage sind, mein gesamtes Offline-Verhalten lückenlos nachzuvollziehen. Damit habe ich tatsächlich ein Problem, und darum besitze ich keine einzige dieser Karten.
Also, liebe Rabattkarten-Besitzer: Macht bitte nicht so viel Getöse um die angebliche Schädlichkeit von Cookies, diese haben aus meiner Sicht einen berechtigten Daseinszweck.
Im Übrigen kennt die oben erwähnte Bäckereifachverkäuferin die Größe meiner Familie, deren Essgewohnheiten, die Anzahl Autos und deren Marken sowie die Zahl unserer Fahrräder. Und sie weiß, wie viele Kreditkarten ich besitze. Sie weiß auch, dass ich selten Kekse kaufe. Und das alles ganz ohne Browser-Cookies.
In den Medien herrscht derzeit große Aufregung. Denn in der Web Analytics soll es mit dem Datenschutz nicht zum Besten stehen. Im Wesentlichen geht es in der aktuellen Debatte um IP-Adressen und deren Anwendung. Der Vorwurf lautet, sehr grob formuliert: Mit Hilfe von IP-Adressen könne man anonyme (und damit erlaubte) Daten, die aus der Web Analytics gewonnen werden, Personen zuordnen. Und diese Personalisierung ist verboten. Die kurz gefasste Schlussfolgerung der Medien: Weil die Verknüpfung von IP-Adressen mit anderen Daten in der Web Analytics ein Leichtes ist, öffnet sie dem Rechtsbruch Tür und Tor.
Kein Wunder also, dass derzeit zahlreiche Web-Analytics-Anwender nach einer solchen Lektüre besorgt bei uns, bei Agenturen und Rechtsanwälten um Rat fragen. Unser Tipp: Gelassen bleiben. Die aktuelle Diskussion entbehrt aus unserer Sicht jeder sachlichen Grundlage, und zwar aus mehreren Gründen:
- Es ist nicht Aufgabe des Tools, vor Missbrauch zu schützen! Derzeit entsteht der Eindruck, dass es Tools wie Google Analytics sind, die den Datenschutz unterwandern. etracker etwa wirbt mit einem selbst entworfenen Bundesdatenschutzgesetz-Siegel und auch WiredMinds will mit einem Datenschutz-Zertifikat punkten. Diese Siegel sollen belegen, dass ihre Tools datenschutzkonform sind. Mit Verlaub: Was für ein Unsinn. Selbstverständlich können auch mit etracker IP-Adressen generiert werden. Es ist nicht die Software, die den Datenschutz verletzt, sondern immer der Anwender! Ein WA-Betreiber wollte sich kürzlich von seinem Toolanbieter schriftlich bestätigen lassen, dass sein Produkt rechtskonform ist. Die Antwort kam prompt: Der Toolanbieter fühlt sich nicht zuständig und unterschrieb gar nichts. Zu Recht: Das wäre so, als würde ein Koch den Herdhersteller dafür verantwortlich machen, dass er keine giftige Suppe kocht. Stattdessen läuft die Sache umgekehrt: Große Toolanbieter wie Omniture und coremetrics sichern sich vor ihren Kunden ab. Diese müssen schriftlich bestätigen, dass sie im Umgang mit dem erworbenen Tool den Datenschutz einhalten werden.
- Auch ohne IP-Adresse kann der Datenschutz verletzt werden! Durch geschickte Kombination von Daten mit zusätzlichen Informationen - etwa aus dem Warenwirtschaftssystem – können personalisierte Daten generiert werden, man muss nur filigran genug messen. Zum Missbrauch braucht es also keine IP-Adressen. Deshalb wäre es für die aktuelle Diskussion sehr sachdienlich, die Perspektive zu erweitern.
- Google Analytics wird zu unrecht an den Pranger gestellt. Vor allem das kostenlose Tool Google Analytics wird in den Medien angegriffen, weil es den Datenschutz nicht einhalten soll. Fakt aber ist: Google Analytics liefert keine IP-Adressen an seine Anwender aus. Ob Google allerdings dennoch IP-Adressen sammelt und diese bloß nicht weiterleitet, ist eine interessante Frage – die Google leider nicht beantwortet.
- Die aktuelle Diskussion hätte bereits vor vielen Jahren geführt werden können. Es gibt derzeit keine neue oder veränderte Gesetzgebung, die eine erhitzte Diskussion wie die aktuelle rechtfertigen würde. Die Datenschutzrichtlinie der EU, nach der Website-Besucher über die Verwendung von Cookies informiert werden sollen, ist gerade erst in Planung und es wird dauern, bis diese in Kraft tritt und in die deutsche Gesetzgebung einfließt.
Was empfehlen wir derzeit unseren Kunden? Das, was wir seit jeher empfehlen:
- Seid Euch Eurer Verantwortung bewusst! Holt zwei Rechtsexperten: einen Medienrechtler, einen für Datenschutz. Mit deren Rat sollen die WA-Projekte so aufgebaut und durchgeführt werden, dass das Generieren personenbezogener Daten nicht möglich ist.
- Website-Besuchern muss die Möglichkeit angeboten werden, das Verfolgen anhand von Cookies zu unterbinden. Ein guter Platz dafür sind die Datenschutzbedingungen, die gut erreichbar sein sollten. Gutes Beispiel: unser Kunde Weltbild
- Personenbezogenen Daten sind für effiziente Webanalyse nicht nötig. Es reichen Cluster, die anhand soziografischer Informationen wie Geschlecht und PLZ gebildet werden, um gute Analysen durchführen zu können.
- Und: Bitte gesunden Menschenverstand einschalten und die Originaltexte lesen – nicht nur Medienberichte. Selbst einige Rechtsanwälte lassen sich derzeit von der hitzigen Debatte anstecken und scheinen nicht immer klar zu sehen. Als Lektüre empfehlen wir den Beschluss des „Düsseldorfer Kreises“ (ein Zusammenschluss der Datenschutz-Aufsichtsbehörden der Länder). Darin werden kompakt und lesbar essentielle Grundlagen der Web Analytics zusammengefasst, zum Beispiel:
- Man darf Web Analytics Tools einsetzen, um anonymisierte Profile zu bilden.
- Man darf diese Profile aber nicht in einen Personenbezug bringen.
- Dies ist gestattet, wenn der Betroffene zustimmt - was etwa beim Online-Kauf über die AGBs geregelt ist.
Fazit: Datenschutz in der Web Analytics ist ein wichtiges Thema – aber ganz bestimmt kein aktuelles. Und es muss anders darüber diskutiert werden als es aktuell der Fall ist. Es wäre an der Zeit, dass Verbände wie der BVDW, die BITKOM und auch der OVK sich einschalten und Medien, Anwälten und auch Toolherstellern fachlich belegen, dass ihr IP-Adressen-Getöse zur falschen Zeit stattfindet, den Kern nicht trifft, und, gelinde gesagt, Unsinn ist.
Verfasst von Axel Amthor
am 10. Dezember 2009 unter
Analytics
Es gibt - glaubt man aktuellen Veröffentlichungen - die ultimative Lösung für das Cookie-Löscher-Problem
Benutzer löschen Cookies, weil ihnen permanent eingeredet wird, Cookies sind so was wie Viren und deshalb sind sie in jedem Falle in Grund und Boden zu verdammen und spurlos von der Festplatte zu entfernen, am besten mit der Drahtbürste ….
Und weil das so ist und die Protagonisten dieser Fehlinformation nicht müde werden diese überall und immer zu verbreiten, steigt die Zahl der Benutzer die Cookies löschen ins gigantische. Mithin: Web Analytics wird völlig unbrauchbar und wir müssen sofort eine neue Lösung haben. Siehe da: es gibt einen Silberstreif am Horizont: Flash Cookies. Flash Cookies sind die Lösung schlechthin: man kann sogar mehr Daten abspeichern wie nur ein paar Bytes usw. usw.
Zu den Fakten:
- Cookies werden weit weniger häufig gelöscht, als das allgemein angenommen wird. Wie bereits mehrfach ausgeführt, liegt die Rate derjenigen, die persistente Cookies generell verbieten unter 8%. Segmentiert man z.B. nach IT- oder Marketinglastigen Websites (ct’ oder WuV z.B.) liegt die Quote bei rd. 20%.
- “Flash Cookies” gibt es nicht. Sehr wohl erlauben neuere Versionen des Flash Plugins, das Server Daten lokal speichern. Derzeit liegt die Verbreitung dieser Versionen aber unterhalb der Cookie-Akzeptanz-Quote, mal davon abgesehen, das obige Diskussion den Flash-Player noch nicht erreicht hat. Man kann im übrigen dieses Speichern von Daten im Plugin sowohl zeitlich als auch Mengenmäßig beeinflussen - da stelle man sich mal vor, der Server möchte 4 KB ablegen, darf aber nur 500 Bytes. Hier gibt es also drei Hürden: a) Plugin installiert und aktiviert, b) Richtige Version, c) Datenspeichererlaubnis in entsprechender Größe. Mit Verlaub: Das soll dann am Ende genauere Daten liefern?
- Die “sporadisch Löscher”: Benutzer, die Cookies temporär akzeptieren, diese aber sporadisch oder per Browsereinstellung nach der Session entfernen. Diese erzeugen statistisch betrachtet eine geringe “Störung” der Daten. Man kann die Quote relativ leicht aus den eigenen Daten ermitteln und hat somit eine Fehlerquote, die auf alle Daten anzuwenden ist, die auf der Metrik “Unique Visitor” basieren - mehr nicht. Aus unseren Erfahrungen heraus liegt diese Quote bei rd. 5% - mit den obigen Einschränkungen bez. Zielgruppe.
Verfasst von Axel Amthor
am 11. August 2007 unter
Analytics
Die aktuelle F&M W3B Studie lässt hinsichtlich der Ergebnisse einige Fragen offen, da effektive Messungen über eine Vielzahl von Websites und Benutzern andere Zahlen zu Tage fördern.
Studie: Web-Nutzer tarnen sich gut
http://www.emar.de/emar/NL/news/mdt/index.html
Die aktuelle F&M W3B Studie hat hinsichtlich ihrer Ergebnisse einige Fragen bei uns aufgeworfen. So wird berichtet, dass z.B. 40% der Anwender Cookies komplett oder selektiv ausschalten. Unsere Messergebnisse über dutzende von Websites und zig-tausende von Anwendern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen da ganz andere Ergebnisse. Nimmt man die USA noch hinzu, wird es noch drastischer: 90 - 95% der Anwender haben Cookies eingeschaltet.
Woher rühren diese Unterschiede? Eine Erklärung liegt in der Art der W3B Befragung. Sie richtet sich an Anwender, die direkt oder indirekt über das W3B und F&M angesprochen werden. Naturgemäß ergibt sich in dieser Anwendergruppe eine hohe Affinität zur IT und zum Internet (Wer von den Otto-Normal-Verbauchern weiß schon was das W3B ist?) Und in dieser Zielgruppe ist nach unseren Beobachtungen die Zahl der Anwender, die mit den Browsereinstellungen spielen, erheblich höher als im Rest der Internet nutzenden Bevölkerung.
Unsere Beobachtungen haben z.B. gezeigt, dass Anwender aus Berufsgruppen oder Bevölkerungsschichten, die nicht mit IT oder Internet beruflich zu tun haben, kaum wissen, wie sie auch nur die Startseite im Browser ändern, geschweige denn die Cookie-Einstellungen Website-spezifisch modfizieren können.
Insofern ist diese Studie (mal wieder) mit sehr viel Vorsicht zu betrachten, wenn man auf dieser Basis Entscheidungen für die eigene Website treffen möchte. Valide Zahlen erhält man hier nur, wenn man “seine” Anwender über einen gewissen Zeitraum beobachtet. Die Ergebnisse schwanken mitunter sehr stark von Website zu Website, was an der unterschiedlichen Ausrichtung und Zielgruppenorientierung liegt.
Verfasst von Axel Amthor
am 28. September 2004 unter
Analytics