Beiträge in der Kategorie "Markt"

Alles Neu macht der Mai bei Coremetrics

Im Mai hat Coremetrics ihre neue Version “Coremetrics 2010″ vorgestellt und seit 1.Juli ist sie live.  Tatsächlich verdient sie das Prädikat “neu” redlich. Es wurde nicht nur ein bisschen an der Optik gedreht, sondern wirklich das gesamte Produkt vollständig überarbeitet. Für mich sind die Highlights:

  • Vereinheitlichung der Oberfläche von Tools und Analytics
  • Bessere Durchgängkeit von Features wie zum Beispiel der Segmentierung und der Vergleiche
  • Deutlich spürbare Verbesserung der Performance
  • Einführung von Navigations-Tabs und einer “Workbench”
  • Automatisch generierte Insights und Optimierungsempfehlungen
Insights und Tabs in Coremetrics 2010

Insights und Tabs in Coremetrics 2010

Die Rückmeldungen unserer Kunden sind bisher durchwegs positiv. Das liegt daran, dass - soweit ein erster Blick hier ausreicht - nachgedacht und vor Allem an vielen Stellen zu Ende gedacht wurde. Natürlich sind kleinere Anfangsschwierigkeiten bei einer so großen Umstellung unvermeidbar, aber auch hier hat es den Anschein, als ob die Kräfte gut gebündelt sind und für schnelle Abhilfe sorgen.

Einigen Benutzern wird das vertraute Bedienkonzept und ein paar Funktionen aus Analytics 2009 fehlen. Prinzipiell waren Dinge früher ja immer besser, daher wurde von Coremetrics viel unternommen, um den Umstieg so sanft wie möglich zu gestalten. Das erfordert einen großen personellen Aufwand und auch Investitionen. Bei Coremetrics scheint man der Meinung zu sein, dass sich diese Investitionen in die Zukunft lohnen werden. Dieser langfristige Ansatz führt zu zufriedenen Anwendern und die Kunden von Coremetrics können dabei nur gewinnen.

Realtime Overview in Analytics 2010

Realtime Overview in Analytics 2010

Ein Punkt ist mir bei all der positiven Kritik aber doch aufgefallen: Datenhaltung und Export wurden grundlegend umgestaltet und erweitert, leider hat sich an den Import-Möglichkeiten fast nichts geändert. Es ist schade, dass es in der heutigen Zeit nicht möglich zu sein scheint, die Statistik in Coremetrics 2010 umfassend mit notwendigen Offline- und Detail-Daten anzureichern. Darüber sollte Coremetrics nachdenken und auch hier zu Ende denken.

Wenn Sie Coremetrics-Anwender sind, interessiert uns Ihre Meinung zur neuen Version. Welche Erfahrungen haben Sie im Vergleich “Alt gegen Neu” machen können?


am 9. Juli 2010 unter Analytics, Markt

IBM will Coremetrics übernehmen

Erst übernimmt Adobe im letzten Herbst den Web-Analytics-Anbieter Omniture und nun schlägt IBM zu und will Coremetrics übernehmen - die geplante Übernahme soll im Herbst stattfinden. Damit sind zwei der drei großen amerikanischen Web-Analytics-Anbieter vergeben.

Ist hier ein Trend zu erkennen?

Werden die verbleibenden amerikanischen und europäischen Anbieter demnächst mit gleichartigen Meldungen von sich reden machen? Vielleicht.

Eines ist mit Sicherheit festzuhalten. Das Wissen, wie Nutzer im Web agieren, scheint ein wertvolles Gut für Unternehmen wie Adobe, IBM, Yahoo und Google zu sein - allen Firmen gemeinsam ist ein leistungsfähiges Web-Analytics-System.

Vergleichen wir kurz die Ziele der Übernahmen:

  • Adobe/Omniture: Aus meiner Sicht war hier die Prämisse, einen neuen Markt für Adobe zu erschließen. Adobe bediente zwar die Kreativen im Web und hatte auch vor der Übernahme schon Kooperationen, aber keinen eigenen Zugang zu dem Markt für Web Analytics. Diesen soll Omniture mit seiner Suite für Adobe öffnen. So hat sich dann bei der Übernahme von Omniture durch Adobe der ganze Markt gefragt, wo die wirklichen Synergien liegen können. Diese Synergien liegen in der technischen Ebene bei der Integration im Frontend. Flash verbreitet sich als Quasi-Standard und die Integration der Tracking-Lösung von Omniture am Arbeitsplatz der Kreativen ist sicherlich ein Schritt, diese Zielgruppe näher an den Web-Analytics-Markt zu holen.
  • IBM/Coremetrics: Diese Übernahme macht aus meiner Sicht sehr viel Sinn. Coremetrics und IBM sind schon seit Jahren Partner und bieten eine integrierte Lösung mit IBM WebSphere Commerce und  Coremetrics Web Analytics. Die Vorteile für den Kunden könnten integrierte Systeme und eine 360°-Sicht auf die Kundendaten sein. Die Integration in den Backend-Systemen würde den Kunden in die Lage versetzen, eine betriebswirtschaftliche Betrachtung aller online- und offline-Marketing-Aktivitäten zentral vornehmen zu können. Die Integration der Daten aus Coremetrics in die CRM- und BI-Welten von IBM (Cognos, DB2) würde Web-Analytics näher ans Management und ans Controlling innerhalb der Unternehmen heranbringen.

Ich sehe hier zwei verschiedene Ansätze zu möglichen Synergien mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen. Es bleibt abzuwarten, wie der Markt dies bewertet und die Kunden dies annehmen.

War die Übernahme vorauszusehen?

Sicherlich kommt die Übernahme für den Web-Analytics-Markt sehr überraschend. Insbesondere, da Coremetrics in den vergangen Monaten vermutlich einen hohen Aufwand betrieben hat, um ein neues Release ihrer Web-Analytics-Lösung auszurollen. Die Bindung von Ressourcen und Kapital im Vorfeld bzw. parallel zu den Übernahmeplanungen ist nicht alltäglich und zeugt von der Stärke des Unternehmens (Coremetrics) und der Weitsicht von IBM.

Wer profitiert von der möglichen Übernahme?

Mit Sicherheit die privaten Investoren von Coremetrics, aber ich denke auch die rund 230 Mitarbeiter weltweit. IBM bietet Sicherheit und neue finanzielle Kraft für die Weiterentwicklung der Coremetrics-Lösung. Letztendlich werden jedoch die Coremetrics-Kunden von der Möglichkeit einer ganzheitlichen Analyse-Umgebung am meisten profitieren.

Vielleicht bietet sich damit auch für Coremetrics Deutschland die Chance aus dem Schatten der anderen amerikanischen Anbieter heraus zu treten. Einer der naheliegenden Synergieeffekte ist der starke IBM-Vertrieb, der die Coremetrics-Lösung im Portfolio mit den Standardlösungen von IBM abgerundet an Bestandskunden in den Bereichen Handel und Finanzdienstleistung anbieten kann.

Wie geht es weiter?

Wer vor einigen Jahren den Markt für Content-Management-Systeme beobachtet hat, wird nicht ganz überrascht sein. Ähnlich wie Anfang 2000 bei den CM-Systemen ist nun auch der Markt für Web Analytics in einer Konsolidierungsphase. “Freie” Targets für M&A-Aktivitäten sind derzeit noch Webtrends, Unica, AT Internet und eine Reihe von europäischen Anbietern, allen voran sicherlich Webtrekk. Wie sehen andere Beobachter die Entwicklung in der nahen Zukunft? Ich würde mich freuen, Ihre Prognosen kennen zu lernen.


am 16. Juni 2010 unter Analytics, Markt
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So nicht! Wie Xamit durch Fehlinformationen unsere Branche in Verruf bringt

Aktuell macht eine “Studie” des IT-Spezialisten Xamit die Runde, die Webanalyse-Anwender und -Interessenten sehr verunsichert: Darin steht, dass alle Webanalyseanbieter in Deutschland Datenschutzbestimmungen außer Acht lassen würden - außer einem: etracker.

Wie bitte? Sorry - das können wir auf keinen Fall so stehen lassen!

Die “Studie” “Webstatistiken im Test - Welcher Dienst ist in Deutschland legal?” strotzt vor Fehlern. Das Problem: Xamit betreibt damit ungeniert Öffentlichkeitsarbeit, hat es damit bis in die Internet World geschafft - und bringt so unsere Branche in Verruf.

Hier einige der gröbsten Schnitzer:

Die Auswahl der untersuchten Marktangebote: Xamit nahm gerade einmal neun Angebote unter die Lupe - wobei drei davon (IVW, Piwik und phpmyVisites) eine Extrabehandlung erfuhren und außen vor blieben. Es sind also sechs übrig: Google Analytics (GA), etracker, WiredMinds, Statcounter, Stats4free sowie “weitere Anbieter”. Das bedeutet: Wichtige Marktteilnehmer wie Omniture und Webtrekk wurden außer Acht gelassen. Wie also kommt Xamit auf die Idee, anhand dieser mickrigen Auswahl eine pauschale Aburteilung der gesamten Branche vorzunehmen?

Die “weiteren Anbieter”: Diese sollen laut der Tabelle “Markt 2009″ gerade einmal 1% des Markts ausmachen. Ein Prozent? Für Omniture, coremetrics, WebTrends, Unica, AT Internet und Webtrekk und allen anderen, die nicht untersucht wurden, zusammen? Der Marktanteil von etracker hingegen wird mit 10% angeben. Die Tabelle “Markt 2009″ - ein Witz.

Die Marktbewertung: GA hat laut Xamit einen Marktanteil 79%. Anteil von was? Vom Umsatz wohl kaum, schon eher an der Anzahl der Websites. Hier wird aber nicht berücksichtigt, dass es in zahlreichen Unternehmen üblich ist, mehrere Tools zu verwenden - kostenlose, kostenpflichtige und selbst gebaute.

Die “Checkliste”: Diese müsste eigentlich “Selbstverständlichkeiten-Liste” heißen. Die ersten zwei Fragen lauten etwa: “Ist der Vertrag schriftlich abgefasst?” und  “Ist der Auftragsgegenstand konkret beschrieben?” Wenn ein Unternehmen hinter solchen Fragen kein Häkchen machen kann, dann hat es ein massives Problem -  aber nicht mit dem Datenschutz, sondern schon beim Einkauf, weil die kaufmännische Sorgfaltspflicht nicht eingehalten würde.

Die Argumentation: Wie kommt Xamit darauf, dass die untersuchten Lösungen nicht BDSG-konform sind? Diese Behauptung wird zwar aufgestellt, aber nicht belegt. Interessant ist auch die “Sonderstellung” der IVW. Natürlich sind ihre Statistiken nicht öffentlich und nur den Site-Betreibern zugänglich - wie bei allen anderen auch!

Das Thema “Geolokalisierung”: Der Düsseldorfer Kreis hat das “Speichern der IP-Adresse” als kritisch reklamiert. Wichtig ist, dass für eine Geolokalisierung die IP-Adresse nicht gespeichert werden muss. Der Ablauf ist:

  • Verbindungsaufnahme auf TCP/IP-Ebene mit der IP-Adresse des Client-PCs (das entspricht der “Telefonnummer des Anrufers” und kann sinnvollerweise nicht unterbunden werden)
  • Abfrage der Geolokalisation: “Verwerfen” der IP-Adresse, wird nur noch für die aktuelle Kommunikation benötigt.

Ein Speichern ist nicht nötig. Die Geolokalisierung als solche ist also nicht kritisch. Die Behauptung, diese ginge nur per Opt-In, ist schlicht falsch.

Das Thema “IP-Adressen”: Es gibt in GA keine IP-Adressen. Derjenige, der mir einen Standard-GA-Report zeigt, der eine IP-Adresse enthält (nicht explizit per Custom Parameter gemessen, sondern einen Standard Report ohne Custom Parameter), erhält von mir ein Exemplar unseres Buchs “Mehr Erfolg durch Web Analytics“.

Sehr wohl kann man aber in etracker bei ausgeschalteten IP-Adressen personenbezogene Profile gewinnen  - im Standardreport:

Der Screenshot zeigt eine komplette Session eines einzelnen Benutzers. Die IP ist zwar abgeschnitten, aber deswegen könnte sie trotzdem irgendwo vollständig gespeichert werden (etracker macht ja auch Geolokalisierung). In GA bekomme ich einen solchen Report nicht, kein Wunder: Es gibt ihn nicht (siehe oben). Bleibt also die Frage: Weshalb bewertet Xamit hier etracker höher als GA? Faktisch gibt es dafür keine ausreichenden Anhaltspunkte, wenn man den gleichen “Annahmehorizont” zugrunde legt. Hier wird wohl mit zweierlei Maß gemessen.

Aus dieser “Studie” ziehen wir nur eine Erkenntnis: Das IT-Unternehmen Xamit versucht mit irreführenden Behauptungen Kompetenz in einem Markt vorzutäuschen, von dem es offensichtlich keine Ahnung hat. Von zahlreichen Kollegen hören wir mittlerweile, dass sie von besorgten Kunden und Interessenten angerufen werden, die von der “Studie” gelesen hätten. In diesen Gesprächen dürfen wir nun das Image der Web-Analytics-Branche wieder gerade rücken.

Danke, Xamit!


am 3. Mai 2010 unter Markt
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Alles eitel Sonnenschein? NEG-Studie behauptet: Nur 27% der Unternehmen betreiben keine Webanalyse

Gerade mal ein gutes Viertel der deutschen Unternehmen (27%) verzichtet auf Webanalyse: So steht es in der NEG-Studie “Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2009“. Bevor wir beschreiben, warum wir an diesem Ergebnis unsere Zweifel haben, nennen wir einige weitere, interessante Ergebnisse der Studie. Sie beschreiben, wie deutsche KMUs mit dem Thema Webanalyse umgehen. Zum Beispiel:

  • Jedes zweite Unternehmen, das Webanalyse betreibt, setzt kostenfreie Werkzeuge zur Analyse der eigenen Webaktivitäten ein. Individuelle Lösungen werden von knapp 28% der Befragten genutzt.Lediglich 10% nutzen kostenpflichtige Standardlösungen.
  • Knapp zwei Drittel der Auswertungen werden wöchentlich oder monatlich durchgeführt.
  • Fast 70 Prozent der Befragten nutzen die gewonnenen Erkenntnisse zur Planung von Marketingaktivitäten und rund 16 Prozent zur Prozessoptimierung (es waren Mehrfachnennungen möglich). 30 Prozent ziehen die gewonnenen Informationen allerdings nicht zur fundierten Planung und Umsetzung weiterer Aktivitäten heran.
  • Handwerksunternehmen zeigen die größten Defizite bei der Webanalyse. Sie nutzen seltener als andere Branchen Analyse-Tools und setzen die gewonnenen Erkenntnisse aus den Analysen häufig nicht um. Die Handelsbranche wertet am häufigsten aus.
  • Unternehmen, die kostenpflichtige Standardlösungen einsetzen, führen “überdurchschnittlich häufiger“ Auswertungen durch als jene, die kostenlose oder individuelle Lösungen nutzen.
  • Die Handwerksbranche und die Industrie lagern die Pflege der Website überdurchschnittlich häufig vollständig an externe Dienstleister aus. In der Handelsbranche wird die Pflege des Internetauftritts
    oftmals einem IT-Verantwortlichen überlassen.

An der Studie “Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2009″ nahmen rund 3.262 Unternehmen teil. Auftraggeber war das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Glaubt man also dieser Studie, so hat die Web Analytics bei drei Viertel der Unternehmen Eingang gefunden - das wäre eine sehr erfreuliche Nachricht. Doch bezweifle ich aufgrund unserer täglichen Praxis, dass viele Unternehmen, die behaupten Web Analytics einzusetzen und zu nutzen, dies auch zielgerichtet tun. Diese Zweifel haben wir unter anderem deshalb, weil unserer Erfahrung nach die Auswertung und Durchführung der Web Analytics nach wie vor viel zu häufig in den Händen der IT liegt, die i. d. R. nicht die Businesstreiber sind.

Erheben die befragten Unternehmen relevante Kennzahlen? Führen sie sinnvolle Analysen durch, die anschließend zur einer Optimierung der Website führen? Die Antworten auf diese Fragen bleibt uns die Untersuchung schuldig. Auch die Autoren der Studie stellen hier einen Mangel fest: “Scheinbar ist der Mehrwert einer systematischen Auswertung der Online-Daten für die Ausarbeitung und Umsetzung verschiedener Online-Aktivitäten noch nicht für alle Unternehmen ersichtlich oder der zurückhaltende Einsatz dieser Tools auf fehlendes Know-how im Hinblick auf das Web Controlling zurückzuführen.” Doch die Studienbetreiber zeigen Verständnis: “Jedoch spielen auch hier zeitliche, personelle oder budgetäre Engpässe insbesondere bei kleineren Unternehmen eine nicht außer Acht zu lassende Rolle.”

Zudem legt eine  Untersuchung von OgilvyBrains, die in dieser NEG-Studie zitiert wird,  die Vermutung nahe, dass es mit der Webanalyse nicht zum Besten steht: Demnach weisen nicht nur KMU, sondern auch deutsche Top-Unternehmen Defizite beim Web Controlling auf. “Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen vernachlässigt demnach das Web-Controlling”, so das Fazit dieser Studie (für die Websites der 500 umsatzstärksten deutschen Unternehmen und die der Top-50-Banken unter die Lupe genommen wurden).

Wir schlagen vor, das Thema Webanalyse bei der nächste NEG-Studie etwas tiefer anzugehen. Dann kommt man womöglich zu dem Ergebnis, dass die “Webanalyse”, die Unternehmen angeblich betreiben, den Namen noch nicht verdient.


am 12. April 2010 unter Markt
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Nachlese: Ein neuer Wind wehte durch die eMetrics Marketing Optimization Summit 2010

Die “Web-Analytics-Fangemeinde” wächst. Nachdem über Jahre immer die gleichen Redner und eine mehr oder weniger feste Größe an Zuhörern die “eMetrics Marketing Optimization Summit” prägten, war in diesem Jahr eine deutliche Änderung festzustellen: Sowohl in den Reihen der Redner als auch im Fachpublikum gab es viele neue Gesichter. Und auch inhaltlich weht ein neuer Wind: Die Vorträge und Workshops wurden vom Publikum als spannend und informativ gelobt.

1. Das User Group Meeting am Vorabend: Zum ersten Mal fand am Vorabend das User Group Meeting statt - ein Event ausschließlich für Web-Analytics-Anwender. Anbieter und Consultants waren ausdrücklich nicht erwünscht, um den offenen Austausch der Anwender untereinander nicht zu stören. Mehr als 30 Teilnehmer hatten sich am Veranstaltungsort getroffen, um in kleinen Runden über ihre Erfahrungen zu berichten. Über die besprochenen Themen und Inhalte der Gespräche können wir leider nichts berichten - wir durften ja nicht dabei sein ;-). Vielleicht liefert Moritz Habermann auf seinem Blog hierzu vertiefende Infos.

2. WAA - Web Analytics Training: Auch in diesem Jahr wurden wieder WAA-Trainings (Web Analytics Assoziation) angeboten. Diese wurden, wie schon in den vergangenen Jahren, leider kaum angenommen. Für die wenigen angemeldeten Teilnehmer war das von Vorteil: Sie erhielten zum Teil ein 1:1-Training mit erfahrenen Webanalysten.

3. Vorträge: Die meisten Vorträge, an denen meine Kollegen oder ich teilgenommen haben, waren gut und wertvoll. Den einen oder anderen Ausreißer gab es jedoch leider auch in diesem Jahr. Nicht alle Referenten stellten Themen und Erfahrungen in den Vordergrund. Auch die inhaltliche Tiefe haben wir manchmal vermisst. Trotz dieser kleinen Kritik - die Qualität war insgesamt sehr hoch. Vielen Dank an “Rising Media”, die durch ihre straffe Vorbereitung ein großartiges Programm auf die Beine gestellt haben.

Besonders gespannt war ich auf Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Seine Keynote “Webanalyse und Datenschutz: Naht das Ende von Cookies, Tracking und Targeting Techniken?” enthielt jedoch keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Leider sprach er ständig vom User-Tracking - doch Web Analytics ist in erster Linie die Analyse der Nutzungsdaten einer Website und nicht des einzelnen Nutzers. Zudem setzte er IP-Adressen, speziell im Bezug auf das kommende IPv6-Protokoll, nach meinem Verständnis gleich einem Nutzer. Doch auch hier messen wir maximal das Gerät und nicht den Nutzer. Zustimmen kann ich Herrn Schaar hingegen beim Mergen der Nutzungsdaten mit dem Nutzerprofil. Hier ist es sinnvoll, vorab die Genehmigung vom jeweiligen Dateninhaber (Nutzer) einzuholen.

Auch die anschließende Diskussionsrunde war etwas enttäuschend - die Vertretung für Thomas Duhr (Vice-Chairman IAB Europe und Leiter des Arbeitskreises Targeting im BVDW) schien nicht optimal vorbereitet, was aus meiner Sicht eine lebhaftere Diskussion verhinderte.

Einer der wertvollsten Beiträge war der Philips-Vortrag “Erhöhung der Weiterempfehlungsbereitschaft mit Segmentanalyse“. Dieser Vortrag von Hans Noteboom lieferte ein praxisorientiertes Beispiel, wie Marktforschung und Web-Analytics-Daten sinnvoll und zielgerichtet zusammengeführt werden können. Eine Kernaussage für mich  war, dass Philips ein internes Scoring für die Kundenzufriedenheit einsetzt, das Einfluss auf die Entlohnung der Mitarbeiter hat und somit zu einem gemeinsamen Ziel führt: ständige Optimierung der Website.

Weitere nennenswerte Vorträge lieferten die DPDHL und allesklar.com.

4. Workshops:Unser Workshops zum Thema Konversionsoptimierung wurden sehr gut angenommen. Insgesamt zählten wir fast 30 Teilnehmer - fast schon zuviel für einen Workshop. Trotzdem machten die Teilnehmer rege mit. Das zeigte uns, dass das Thema Konversionsoptimierung von großem Interesse ist und hier immer mehr Informationsbedarf entsteht.

5. Networking: Neben all den Vorträgen und interessanten Informationen wird immer deutlicher: Networking ist der wesentliche Bestandteil des Summits. Der persönliche Austausch zwischen Web-Analytics-Profis ist für die Besucher der Konferenz besonders wertvoll und steht zwischen den Vorträgen, beim Kaffee, beim Mittagessen und natürlich auf der Abendveranstaltung im Vordergrund.

Insgesamt ziehen wir als Sponsor, Aussteller und Besucher ein positives Fazit der eMetrics Marketing Optimization Summit - wir freuen uns auf 2011.


am 26. März 2010 unter Markt
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Es lohnt sich: Machen Sie mit bei den Umfragen des webanalyticsforums

Mal ehrlich: Wie viel wissen Sie über den Einsatz von Web-Analytics-Tools in Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern? Natürlich, es gibt jede Menge Messen, Konferenzen und Diskussionsforen. Trotzdem mangelt es unserer Meinung nach an praxisrelevantem - „echtem“ - Alltagswissen.

Um diesen Wissenschatz zu heben, starten wir im webanalyticsforum in regelmäßigen Abständen Umfragen. Webanalyse-Anwender können anonym - und deshalb offen und ehrlich - über ihre Erfahrungen berichten. Die Ergebnisse veröffentlichen wir dann im webanalyticsforum-Blog, sobald für die jeweiligen Umfragen eine valide Anzahl an Antworten vorliegt. Kostenfrei!

Klar: Je mehr Webanalyse-Anwender teilnehmen, desto aussagekäftiger sind die Umfrageergebnisse – und die wiederum kommen allen zu Gute. Unter den Teilnehmern an den Umfragen verlosen wir als Geschenk 10 Exemplare des druckfrischen Buches “Mehr Erfolg durch Web Analytics: Ein Leitfaden für Marketer und Entscheider”. Mitmachen lohnt sich also! Sie können Ihre Chancen erhöhen, in dem Sie an mehreren Umfragen teilnehmen, jede vollständig beantwortete Umfrage erhält ein Los.

Die ersten beiden (kurzen) Umfragen starten wir zu diesen Themen:

  1. Die allgemeine Zufriedenheit mit Web-Analytics-Herstellern (sieben Fragen, deutsch)
  2. Projektdurchführung und Einführung eines Web-Analytics-Systems in Unternehmen (sieben Fragen, deutsch oder englisch)

Noch ein Wort zur Registrierung: Um an diesen Umfragen teilnehmen zu können, bitten wir Sie zunächst um eine Registrierung. Wichtig hierbei: Diese Umfragen finden vollständig anonymisiert statt, es besteht also keine Verbindung zwischen den Umfrageergebnissen und Ihrer Registrierung! Die Registrierung ist für eine begrenzte Zeit verfügbar. Sie können die Umfrage jederzeit unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. Heben Sie dazu die Bestätigungs-Mail auf und verwenden Sie den darin enthaltenen Link, um zur Umfrage zurückzukehren.


am 23. März 2010 unter Markt

Nicht einmal die Hälfte der US-Medien setzen konsequent Web Analytics ein

Auf ein erstaunliches Ergebnis stießen die Forscher von Columbia Journalism Review , als sie für die Untersuchung “Magazines and Their Web Sites” den Status quo redaktioneller Websites in den USA abfragten: Nicht einmal die Hälfte der Website-Betreiber (47%) setzt Web Analytics regelmäßig und konsequent ein, um den Erfolg ihrer Themensetzung zu überprüfen oder um wichtige Trends im Leseverhalten zu entdecken. Davon ziehen nur 8% Webanalyse-Statistiken als Hauptfaktor für redaktionelle Entscheidungen heran.

Noch schlimmer: 43% der befragten Redaktionen nutzen das Wissen, das ihnen die Webanalyse bietet, kaum oder gar nicht:

  • 21% bringen zwar in Erfahrung, welche Inhalte erfolgreich waren - doch Einfluss auf ihre redaktionelle Entscheidungen hat das nicht.
  • Mehr als jeder fünfte befragte Redaktion (22%) prüft nicht systematisch, welche Inhalte wie erfolgreich waren (keine Angabe: 11%).

Dass das ein Fehler ist, belegt die Studie gleich mit. Denn Studienteilnehmer, die regelmäßig Traffic-Statistiken für ihre Entscheidungen heranziehen, haben eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, profitabel zu arbeiten: Über 60% der profitablen Websites nutzen Traffic-Statistiken - unter den nicht profitablen sind es nur 34% .

Vor allem große Websites schätzen die Webanalyse: So nutzen mehr als 90% jener Redaktionen, die mehr als 2 Millionen Unique Visitors pro Monat haben, Statistiken für ihre redaktionellen Entscheidungen. Diese Vorreiterrolle großer Websites hat aber keine finanziellen Gründe: Denn die Mehrheit aller Befragten - 61% - verwenden das kostenlose Tool Google Analytics. Erst in weitem Abstand folgen die kostenpflichtigen Tools Omniture SiteCatalyst (7%) und Comscore Media Metrics (4%).

Es ist uns ein Rätsel, warum ausgerechnet in dem heiß umkämpften Markt der Online-Medien die Web Analytics keine Selbstverständlichkeit ist. Eine Erklärung, wenn auch keine befriedigende, könnte die  Schlussfolgerung der Marktforscher sein: “Die Magazin-Websites stecken noch mitten im Trial&Error-Stadium.”

Zwar ist das eine Studie über den amerikanische Raum. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Situation hierzulande nicht besser ist. Es wäre Zeit für eine solche Studie in Deutschland.


am 22. März 2010 unter Markt
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Internationale WA-Tool-Anbieter tragen keine Schuld an Datenschutzverletzungen

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte kürzlich, dass viele gesetzliche Krankenkassen “unzulässige Analysedienste” für ihre Websites einsetzen würden. Heise.de berichtet, Schaar wolle das Stichprobenergebnis nun als Aufhänger nutzen, um generell Kritik an der “häufigen Verwendung unzulässiger Systeme zur Analyse der Reichweitenmessung” zu üben.

Wir meinen: Herr Schaar verfolgt die falsche Logik. Denn was genau sind “unzulässige Analysedienste”? Laut “Düsseldorfer Kreis” sind das solche, die unter anderem das individuelle Surfverhalten von Nutzern registrieren und auswerten, ohne dass diese ausreichend informiert wurden und eingewilligt hätten. Ein Analysedienst kann hierzu nur Mittel zum Zweck sein, das heißt: Nicht er missachtet den Datenschutz, sondern sein Anwender. “Unzulässige Analysedienste” kann es deshalb ebenso wenig geben wie “unzulässige Autos”, die mit 250 km/h durch ein Dorf brettern könnten.

Für Betroffene einer Datenschutzverletzung innerhalb Deutschlands ist immer der deutsche Website-Betreiber der “Vertragspartner”. Dabei kann es dem Betroffenen egal sein, ob der Site-Betreiber ein außereuropäisches WA-Tool verwendet oder für die Aufbereitung der Daten einen Dienstleister irgendwo auf dieser Welt beauftragt. Relevant ist, dass der Website-Betreiber für die Einhaltung des Datenschutzes juristisch verantwortlich ist und von Betroffenen belangt werden kann, wenn er diesen nicht einhält!

Ein Kritikpunkt Schaars: Weil viele der Analysedienste von außereuropäischen Anbietern stammten, basierten sie zum einen nicht auf deutschem Recht, zum anderen sei eine Rechtsdurchsetzung schwierig. Tatsächlich müssen hier Website-Betreiber bei der Entscheidung für oder gegen einen Dienstleister aufpassen. Denn viele amerikanische Anbieter betonen, dass sie Mitglied des “Safe-Harbour-Abkommens” seien - und wiegen ihre Interessenten in falscher Sicherheit, ähnlich wie das die deutschen Anbieter mit ihren TÜV-Siegeln tun. Es sei hier auf den letzten Absatzes des Beschlusses des Düsseldorfer Kreises vom 26./27.11.2009 verwiesen, in dem es heißt: “Werden pseudonyme Nutzungsprofile durch einen Auftragnehmer erstellt, sind darüber hinaus die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes zur Auftragsdatenverarbeitung durch
die Anbieter einzuhalten.
“.

Das “Safe-Harbour-Abkommen” soll - eigentlich - bedeuten: Diese Hersteller sichern zu, dass sie personenbezogene Daten aus Europa nach EU-Datenschutzstandards verarbeiten. Eigentlich. Denn dass dem häufig nicht so ist, ergab nun ein Gutachten des US-Beratungsunternehmens Galexia (heise.de): Häufig verletzten US-Mitglieder dieses Abkommen, was obendrein meist ohne rechtliche Konsequenzen bleibe. Der Vorwurf: Viele der Mitglieder des “Safe-Harbour-Abkommens” haben sich eingekauft ohne zertifiziert zu werden und gehen viel zu lax mit den vereinbarten Vorschriften um. Ob der Dienstleister Mitglied des “Safe-Harbour-Abkommens” ist, ist zivilrechtlich relevant, wenn es um die Frage nach der Haftung des Dienstleisters gegenüber dem Site-Betreiber geht.

Fazit: Würde der Autobauer Toyota der Logik Schaars folgen, würde er seine Kunden, deren Autos klemmende Gaspedale haben, an den Zulieferer verweisen. Und der kann dann alle Vorwürfe von sich weisen mit dem Argument: Bei mir ist alles in Ordnung, denn ich arbeite ja nach DIN ISO 9000.


am 22. Februar 2010 unter Analytics, Markt
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Web Analytics Association in der Kritik: Braucht die Web Analytics in Deutschland eine neue Verbandsstruktur?

In Europa wird die Struktur der Web Analytics Association (WAA) derzeit heftig kritisiert. Der Vorwurf lautet: Der weltweit aktive Verband, der seinen Sitz in den USA hat (Wakefield, MA), gehe zu wenig auf die einzelnen Web-Analytics-Märkte ein. Doch weil diese recht unterschiedlich ausgeprägt seien, nutze der globale Ansatz des WAA seinen europäischen Mitgliedern zu wenig.

Was tun? Den WAA verlassen und einem lokalen Verband beitreten? Das ist keine Lösung - erstens, weil der weltweite Austausch wichtig ist, und zweitens, weil die WAA mit Board-Mitgliedern wie Jim Sterne und Bryan Eisenberg für eine hohe Informationsqualität steht. Und wie wäre es mit einem Beitritt in einen zweiten, dann lokalen Verband? Das kommt für viele aus Kostengründen nicht in Frage.

Deshalb fordern europäische Mitglieder von der WAA eine Mischung aus beidem: Sie wollen, dass sie mehr lokale Strukturen einführt und als eine Art übergeordnetes Community Center agiert. Sie möchten, dass die Mitgliedsbeiträge wieder an die Länder zurückfließen, in denen sie gezahlt wurden. Denn viele bemängeln, dass sie zwar satte Beiträge an die WAA abführen - sie und ihr lokaler Markt aber kaum davon profitieren.

In seinem sehr lesenswerten Beitrag fasst Miles Bennett, Gründer des Web-Analytics-Unternehmens Targetstone, UK, die schwierige Lage in einem Blogbeitrag  “Web Analytics Association - is it relevant for Europe?” zusammen. Er schildert die mühsamen Diskussionen mit dem WAA und nennt Beispiele, wie eine Realisierung funktionieren könnte. Wie etwa in Spanien: Dort schloss sich der lokale WA-Verband mit dem WAA zusammen und behielt seine lokalen Strukturen. Vom finnischen WA-Unternehmen Kwantic stammt der Vorschlag, man könnte doch eine lokale WAA als Non-Profit-Franchise-System aufbauen, die dann einen Teil der Mitgliedseinnahmen an die globale WAA abführt, um zum Beispiel Studien für alle durchführen zu können.

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Um ehrlich zu sein. Ich bin alles andere als zufrieden mit der hiesigen Verbandslandschaft rundum die Web Analytics. So ist die BVDW-Arbeitsgruppe “Erfolgskontrolle” praktisch nur als Taskforce existent. Hier sind wir zur Zeit zwei bis drei aktive Mitglieder, die auf Zuruf von den Fachgruppen Themen der Web Analytics bearbeiten. Das Problem ist jedoch nicht der Verband, sondern die mangelnde Bereitschaft Informationen auszutauschen und aktiv mitzuarbeiten. Die WAA Deutschland veranstaltet die WAA Wednesdays in regelmäßigen Abständen. Ansonsten trifft man sich einmal im Jahr zur eMetrics Summit in München. Selbst eine Zusammenarbeit der beiden Verbände BVDW und WAA, damals initiert vom BVDW, war gescheitert.

Ich persönlich sehe derzeitig keinen hohen Nutzwert in einer Mitgliedschaft in der WAA in Deutschland. Nationale Themen werden kaum betrachtet - wie zum Beispiel das Thema Datenschutz. Nützliche Informationen im Bereich Web Analytics bekommt man derzeit in Blogs oder per Twitter - ohne Verbandsbeiträge und meistens sogar deutlich schneller.

Wie Input erhalten, wenn alle zum Schweigen verdonnert sind? Jeder wünscht sich die Konversionszahlen auf Branchen oder Märkte bezogen, doch jeder hütet diese Zahlen wie ein Staatsgeheimnis. Das kommt in Deutschland einem Preisgeben von Firmengeheimnissen gleich - zu erkennen an den zahlreichen “belanglosen” Case Studies und Präsentationen auf den verschiedenen Veranstaltungen. Die Beratungsunternehmen könnten hier theoretisch Zahlen anonym bereitstellen, dürfen aber die Daten ihrer Kunden nicht verwenden. Und Anwender dürfen sich vielfach nicht konkret äußern. Beispiele für Konversionssteigerungen durch Optimierungsprozesse müssen derartig verfremdet werden, dass die wertvollen Lerninhalte häufig auf der Strecke bleiben.

Wie Input erhalten, wenn alle nur lesen wollen, aber keiner schreiben? Auch auf Portalen wie Xing oder LinkedIn gibt es eine Reihe von Gruppen, die sich mit Web Analytics befassen. Allen diesen Gruppen mangelt es überraschenderweise nicht an Mitgliedern, sehr wohl aber an qualitativ hochwertigem Inhalt. Die Fragen und Beiträge sind eher beiläufiger Natur. Echte fachliche Diskussionen mit Tiefgang findet man sehr selten.

Brauchen wir einen lokalen Verband? Es gibt die WAA Deutschland und den BVDW, Web Analytiker können sich also durchaus engagieren. Aber selbst wenn die WAA Deutschland mit ausreichenden wirtschaftlichen Mitteln für die Verbandsarbeit ausgestattet wäre - es fehlten immer noch Aktiv, die hieraus wertvolles Gestalten, oder?

Wir brauchen engagierte Mitmenschen, die das Thema Web Analytics nach vorne tragen. Das sollten nicht immer die Gleichen sein. Insofern danke ich alle engagierten Referenten, Blogger und Twitterer, die unermüdlich wertvolle Inhalte ins Web stellen.

Ich freue mich auf Ihr Feedback - vor allem auch von den WAA-Vertretern.


am 10. Februar 2010 unter Markt
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Prüfsiegel sind kein Garant für Datenschutz in der Webanalyse

In der Web-Analytics-Branche entsteht gerade ein “Prüfsiegel-Trend”: Der Toolhersteller Webtrekk wirbt neuerdings mit dem “TÜV Siegel für vorbildlichen Datenschutz” für seine Software Q3. etracker lockt mit seinem selbst entworfenen Bundesdatenschutzgesetz-Siegel (”100% BDSG konform”). Und auch WiredMinds geht mit einem TÜV-Datenschutz-Zertifikat an die Öffentlichkeit. Mal sehen, wer als nächstes mit einem Zertifikat auf sich aufmerksam machen will.

Ursache für diesen Trend ist wohl die aktuelle Datenschutz-Debatte, in der vor allem der Datenmissbrauch mit IP-Adressen angeprangert wird. (Mit IP-Adressen könnte man anonyme Daten, die aus der Web Analytics gewonnen werden, Personen zuordnen - was aber verboten ist.) “Die jüngsten Diskussionen über Datenschutz im Internet haben in der Gesellschaft zu großer Verunsicherung geführt und teilweise berechtigte Ängste geschürt. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst und wollen nun im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag dazu leisten, wieder mehr Vertrauen zu schaffen”, beteuert etwa Christian Sauer, Geschäftsführer der Webtrekk GmbH.

Die Hersteller von Webanalyse-Tools versuchen, die Unbedenklichkeit ihrer Produkte herauszustellen. Potentielle Kunden sollen den Eindruck gewinnen, dass sie mit diesen Produkten nichts falsch machen können. Webtrekk etwa versichert, dass die Kundendaten, die Webtrekk für eine Analyse des Nutzerverhaltens erhebt, anonymisiert und nach der Auswertung umgehend wieder gelöscht würden.

Dass sich Webtrekk einer TÜV-Prüfung unterzieht, ist natürlich lobenswert. Dennoch muss gefragt werden: Um welche Definition von “Datenschutz” geht es hier eigentlich? Bei genauerer Betrachtung wird klar: Es geht nicht um den aktuell so erhitzt diskutierten “Schutz vor Datenmissbrauch”. Denn eine Web-Analytics-Software kann schlichtweg nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass während ihrer Anwendung das Gesetz eingehalten wird: Es ist immer der Anwender, der die Gesetze bricht! Und das geht, nebenbei bemerkt, auch ohne IP-Adressen. Hierzu haben wir bereits den Blogbeitrag “Datenschutz in der Web Analytics - ein brandheißes Thema?” veröffentlicht.

Das bedeutet: Käufer von Tools, die mit einem Prüfsiegel ausgezeichnet wurden, sind nicht automatisch davor geschützt, dass sie - wissentlich oder unwissentlich - den Datenschutz verletzen.

Ein Prüfsegel ist also keine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Toolanwender. Wer sicher gehen will, dass seine Web-Analytics-Projekte gesetzeskonform sind, sollte sich Expertenrat holen, idealerweise von einem Medienrechtler und einem Datenschutzexperten.

Dennoch: Das TÜV-Siegel für das Webtrekk-Tool bestätigt eine andere - ebenfalls sehr sinnvolle - Art des Datenschutzes: Es besagt, dass die Daten beim Hersteller sicher aufgehoben und vor fremden Zugriff geschützt sind. Das ist vor allem für Kunden mit extrem sensiblen Daten, etwa Finanzdienstleister, ein sehr bedeutender Hinweis!

Wenn es also um das Bestätigen der Datensicherheit geht, können solche Prüfsiegel durchaus sinnvoll sein - nicht aber als Garant für Gesetzeskonformität. Aus unserer Sicht dienen die Zertifikate derzeit vor allem einem Zweck: Sie dienen den Herstellern als PR-Mittel, um von der aktuellen Themenwelle zu profitieren.


am 27. Januar 2010 unter Markt
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