Liefert der SiteCatalyst Marketing-Channel-Report die “richtigen” Zahlen?
Adobe SiteCatalyst bietet mit seinem Marketing-Channel_Report (MCR), die Möglichkeit, zu jedem Marketing-Kanal ohne zusätzliche Implementierung die Zielerreichungen (Käufe, Umsätze, Logins,…) nach “First Cookie Wins” (FCW) und “Last Cookie Wins” (LCW) gleichzeitig zu betrachten. Hierbei wird die Direkteingabe oder der Besuch über SEO-Maßnahmen als Kanal betrachtet und der Besucher wie üblich mit einem Cookie (30 Tage) versehen.
Das klingt geil, oder?
- Im MCR wird standardmäßig immer jede Session einem Kanal zugewiesen
Auch das klingt geil, oder?
Zu den Marketingkanälen zählt Adobe SiteCatalyst allerdings auch die Direkteingabe oder die SEO-Maßnahme und hier liegt das Problem.
Ein Beispiel:
- Kontakt:Kampagne A
- Kontakt Kampagne B
- Kontakt: Direkteingabe und 10€ Umsatz
a) Sicht im MCR
| Kampagne | Klicks | Umsatz (FCW) | Umsatz (LCW) |
| A | 1 | 10,- € | - |
| B | 1 | - | - |
| Direkteingabe | 1 | - | 10,-€ |
Ergebnis: Keine Konversion für B
- siehe auch Fußnote -
b) Sicht im Kampagnenreporting auf Basis s.campaign
Im Kampagnenreporting auf Basis der s.campaign und Last-Cookie-Wins haben wir folgendes Bild:
| Kampagne | Klick | Umsatz (LCW) |
| A | 1 | - |
| B | 1 | € 10,- |
oder auf Basis einer zusätzlichen eVar (=s.campaign) und First-Cookie-Wins:
| Kampagne | Klick | Umsatz (FCW) |
| A | 1 | € 10.- |
| B | 1 |
Nun haben wir zwei Reports, ist aber wenigstens richtig.
Sollte man besser den Marketing-Channel-Report also lieber nicht nutzen, da er wirtschaftlich unsinnige Werte ausgibt?
Statements:
- Wirtschaftliches Online-Marketing führt die besten Kunden immer in den Kanal “Direkteingabe”
- Im Affiliate Marketing würde immer ein Vergütung von Kampagne B erfolgen, aufgrund des 30-Tage-Cookies.
- Wer eine Direkteingabe für einen Marketingkanal hält, hat den 30-Tage-Cookie nicht verstanden.
Ist das MCR-Reporting also unsinnig und nicht verwertbar?
Nein, wer beides will - den Marketing Channels Report und “richtige” Zahlen, sollte folgendes an seiner Implementierung ändern:
Wenn ein Trackingcode übergeben wird, reicht es nicht aus, nur die s.campaign zu füllen. Sondern es muss auch ein Cookie mit zwei Werten gesetzt werden:
- Trackingcode des soeben geklickten Werbemittels und aktuelles Datum/Uhrzeit.
Bei jedem folgenden Visit muss, wenn ein “kostenfreier Kanal” genutzt wurde und daher kein neuer Trackingcode vorliegt, der Trackingcode aus dem Cookie ausgelesen und wieder an s.campaign übergeben werden. Dies muss solange erfolgen, bis das Datum in dem Cookie mehr als 30 Tage zurück liegt. Dann respektiert das Regelwerk des MCR die Logik “eine Traffic-Quelle ohne Trackingcode überschreibt niemals einen teuren Kampagnen-Klick”. Nur leider verdirbt das die Metrik der Click-Troughs. Dafür setzen wir bei jedem “echten” Kampagnen-Klick einen eigenen Event und arbeiten stattdessen mit diesem. Diese erweiterte Kampagnenlogik fügen wir pflegeleicht in die Plugin-Sektion des JavaScripts ein.
Die einzige Fehlerquelle dieser Lösung steckt in der Identifikation des “neuen Visits”. Das fragen wir mithilfe eines Session-Cookies ab - denn wenn der Nutzer keine Cookies akzeptiert und wir ihn daher zu häufig “als neuen Visit” erkennen würden, haben wir auch keinen Cookie, dessen Kampagnenwert wir auslesen könnten.
Fußnote: Adobe hat dieses Problem offenbar beschäftigt und mit dem letzten Release die CRM-Kanäle besser konfigurierbar gemacht. Jetzt kann für jeden Kanal angegeben werden, ob dieser Kanal in der Last-Bewertung ältere Kanäle überschreiben darf (”Override Last-Touch Channel” bzw “Last Touch-Kanal außer Kraft setzen”). Es ist uns aber aus der Praxis noch kein Fall bekannt, bei dem es gelungen ist, die Abrechnungspraxis im Marketing-Channel-Report stimmig abzubilden.
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