Archiv für das Jahr 2010:

IBM will Unica kaufen

…und weiter geht die Einkaufstour von IBM. Kurz nachdem der Deal mit Coremetrics über die Bühne gegangen ist, kündigt IBM schon die nächste Übernahme an - Unica.

Im Web Analytics Umfeld spielt Unica mit NetInsight sicherlich kein führende Rolle, zumindest nicht für den deutschen Markt, aber im Bereich In- und Outbound- sowie Interactive Marketing bietet Unica sehr ausgefeilte und umfangreiche Lösungen und sind in vielen großen Unternehmen mit Ihren Lösungen integriert.

Durch die beiden Zukäufe entwickelt sich IBM zum digitalen Marketing / eCommerce Full-Service-Anbieter mit einem kompletten Toolset aus einem Haus. Die eCommerce Umgebung wird mit IBM WebSphere abgedeckt, das komplette Offline und Online Kampagnenmanagement mit der Unica Lösung und die Erfolgsmessung über alle Online Kanäle passiert über Coremetrics und nicht zu vergessen ca. 5.000 IBM Consultants unterstützen zukünftig Ihre Kunden bei der Umsetzung.

Damit erfüllt IBM wesentliche Faktoren um erfolgreich im Markt zu sein:

  1. etablierte und gute Produkte
  2. bereits vorhandene Kundenbasis mit Entwicklungspotenzial
  3. Support weltweit

IBM hat durch diese strategischen Zukäufe sich in einen nach wie vor wachsenden Markt eingekauft. Ob Sie zukünftig die gewichtige Rolle im Online Markt spielen, die sie theoretisch einnehmen müssten, hängt sicherlich im Wesentlichen auch von der Integration der beiden neuen Unternehmen in die IBM-Welt ab und der weiteren Entwicklung der Produkte.

Vergleicht man die Zukäufe der Großen im Web Analytics Markt - Adobe vs. IBM - so scheint IBM hinsichtlich Lösungsorientierung die besseren Karten zu haben. Auch wenn sich Adobe durch den Zukauf von Day, einen ECMS Anbieter, weiteres Online-Know-How einverleiben will, bleibt Adobe in erster Linie ein Toolanbieter. Ihnen fehlt die Consulting/Support Power einer IBM.

Ist also IBM der kommende globale Player im Digital Marketing?


am 19. August 2010 unter Markt

Coremetrics Übernahme durch IBM abgeschlossen

Nachdem wir bereits von der geplanten Übernahme von Coremetrics durch IBM auf unserem Blog am 16.6.2010 berichtet hatten, können wir nun mitteilen, das die Übernahme laut Pressemeldung vom 2.8.2010 vollzogen worden ist.

Bereits 2006 hatte IBM und Coremetrics ein strategische Partnerschaft gestartet, um eine kanalübergreifende Business-Analytics-Lösung in Verbindung mit IBM WebSphere Commerce anzubieten. Über die möglichen Synergien des Mergers hatten wir bereits in unserem Blogbeitrag berichtet. Weiterhin berichtet IBM nun, dass durch die Übernahmen zukünftig die Kunden auf ein Netzwerk von ca.  5.000 Consultants aus der IBM Business Analytics und Optimization Consulting Organisation zurückgreifen können.

Derzeitige Coremetrics Kunden und Partner sollen weiterhin wie gewohnt unterstützt werden. Über das “Wie”, werden aber noch keine Aussage getätigt.

Gewinner dieser Übernahme sind Kunden, die Lösungen von IBM sowie Coremetrics einsetzen. Kunden, die heute zwar Coremetrics, aber nicht IBM WebSphere Commerce einsetzen, werden evtl. zukünftig nicht mehr an allen neuen Leistungsmerkmale partizipieren können, da sie auf die IBM-Welt zugeschnitten werden.

Wie zukünftig das IBM/Coremetrics-Partnergeschäft aussieht, vermag noch keiner genau sagen. Consulting- und Support Partner der Coremetrics, wie z.B. die contentmetrics, stehen demnächst wahrscheinlich noch direkter im Mitbewerb mit der IBM Organisation.


am 5. August 2010 unter Markt

Alles Neu macht der Mai bei Coremetrics

Im Mai hat Coremetrics ihre neue Version “Coremetrics 2010″ vorgestellt und seit 1.Juli ist sie live.  Tatsächlich verdient sie das Prädikat “neu” redlich. Es wurde nicht nur ein bisschen an der Optik gedreht, sondern wirklich das gesamte Produkt vollständig überarbeitet. Für mich sind die Highlights:

  • Vereinheitlichung der Oberfläche von Tools und Analytics
  • Bessere Durchgängkeit von Features wie zum Beispiel der Segmentierung und der Vergleiche
  • Deutlich spürbare Verbesserung der Performance
  • Einführung von Navigations-Tabs und einer “Workbench”
  • Automatisch generierte Insights und Optimierungsempfehlungen
Insights und Tabs in Coremetrics 2010

Insights und Tabs in Coremetrics 2010

Die Rückmeldungen unserer Kunden sind bisher durchwegs positiv. Das liegt daran, dass - soweit ein erster Blick hier ausreicht - nachgedacht und vor Allem an vielen Stellen zu Ende gedacht wurde. Natürlich sind kleinere Anfangsschwierigkeiten bei einer so großen Umstellung unvermeidbar, aber auch hier hat es den Anschein, als ob die Kräfte gut gebündelt sind und für schnelle Abhilfe sorgen.

Einigen Benutzern wird das vertraute Bedienkonzept und ein paar Funktionen aus Analytics 2009 fehlen. Prinzipiell waren Dinge früher ja immer besser, daher wurde von Coremetrics viel unternommen, um den Umstieg so sanft wie möglich zu gestalten. Das erfordert einen großen personellen Aufwand und auch Investitionen. Bei Coremetrics scheint man der Meinung zu sein, dass sich diese Investitionen in die Zukunft lohnen werden. Dieser langfristige Ansatz führt zu zufriedenen Anwendern und die Kunden von Coremetrics können dabei nur gewinnen.

Realtime Overview in Analytics 2010

Realtime Overview in Analytics 2010

Ein Punkt ist mir bei all der positiven Kritik aber doch aufgefallen: Datenhaltung und Export wurden grundlegend umgestaltet und erweitert, leider hat sich an den Import-Möglichkeiten fast nichts geändert. Es ist schade, dass es in der heutigen Zeit nicht möglich zu sein scheint, die Statistik in Coremetrics 2010 umfassend mit notwendigen Offline- und Detail-Daten anzureichern. Darüber sollte Coremetrics nachdenken und auch hier zu Ende denken.

Wenn Sie Coremetrics-Anwender sind, interessiert uns Ihre Meinung zur neuen Version. Welche Erfahrungen haben Sie im Vergleich “Alt gegen Neu” machen können?


am 9. Juli 2010 unter Analytics, Markt

Multikulturelles Testing mit überraschendem Ergebnis

Ein österreichisches Maschinenbau-Unternehmen hat uns im März gebeten, ihnen bei einem Test auf der japanischen Website zu helfen. Ziel war, die Konversionsrate bei der Generierung von Kontakten bzw. Leads durch die Website im japanischen Markt zu erhöhen.

Nun ist es nicht einfach, in einer völlig fremden Kultur zu “erraten”, welche Form der Ansprache die Besucher in einem B2B-Umfeld dazu anregt, mit einem Österreichischen Unternehmen Kontakt aufzunehmen, dass hochpreisige Spezialmaschinen anbietet. Zur Auswahl standen neben dem “Standard-Button” drei weitere Rezepte, die über einen Zeitraum von knapp zwei Monaten getestet wurden.

Hier zunächst die Seite mit dem Original-Kontaktbutton (blau, oben rechts):

Zur Auswahl standen folgende Alternativen:

Alternative 1

Alternative 2

Alternative 3

Welche der Alternativen erzielte im Testzeitraum eine Steigerung der Konversionsrate um mehr als 200%? Versuchen Sie doch einmal eine Prognose abzugeben, bevor Sie weiter unten die Auflösung nachlesen.

Wir haben mit dem Testing- und Targeting-Tool “Vertster” einen einfachen A/B-Split-Test der vier Grundtypen durchgeführt und die Konversion im abgesendeten Kontaktformular gemessen. Da wir weder des japanischen mächtig sind, noch die speziellen kulturellen Präferenzen japanischer Websitebesucher kennen, ist es für uns relativ schwer, eine Vorhersage des Ergebnisses zu treffen. Alle vier “Schaltflächen” enthalten im Übrigen den gleichen Text mit der Bitte zur Kontaktaufnahme. Sie unterscheiden sich lediglich in der grafischen Aufbereitung. Für westeuropäische Augen wirken die drei zu testenden Alternativen eher “kitschig”. Darüber hinaus hat Alternative 2 überhaupt keinen Bezug zum Thema Kontaktaufnahme, wenn man den Text nicht versteht.

Umso mehr überrascht es, dass genau diese Alternative (der kleine rote Vogel) eine Verdreifachung der Anzahl an Kontakten im Vergleich zum  Original verursacht hat. Alternative 3 war genauso gut wie das Kontrollrezept mit dem blauen Button und Alternative 1 - die freundliche Dame - generierte gar keine Kontakte.

Dies zeigt einmal mehr, dass durch Testing eine Optimierung einer Website herbeigeführt werden kann und dabei die Ergebnisse nicht zwingend der eigenen Ästhetik oder der eigenen Erwartungshaltung entsprechen müssen.

Im Umkehrschluss muss man nach dem beschriebenen Resultat sogar sagen, dass die Befangenheit in der eigenen Kultur und sicherlich auch in eigenen Denkweisen einem optimalen Layout einer Website viel zu oft im Wege stehen.


am 22. Juni 2010 unter Analytics
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IBM will Coremetrics übernehmen

Erst übernimmt Adobe im letzten Herbst den Web-Analytics-Anbieter Omniture und nun schlägt IBM zu und will Coremetrics übernehmen - die geplante Übernahme soll im Herbst stattfinden. Damit sind zwei der drei großen amerikanischen Web-Analytics-Anbieter vergeben.

Ist hier ein Trend zu erkennen?

Werden die verbleibenden amerikanischen und europäischen Anbieter demnächst mit gleichartigen Meldungen von sich reden machen? Vielleicht.

Eines ist mit Sicherheit festzuhalten. Das Wissen, wie Nutzer im Web agieren, scheint ein wertvolles Gut für Unternehmen wie Adobe, IBM, Yahoo und Google zu sein - allen Firmen gemeinsam ist ein leistungsfähiges Web-Analytics-System.

Vergleichen wir kurz die Ziele der Übernahmen:

  • Adobe/Omniture: Aus meiner Sicht war hier die Prämisse, einen neuen Markt für Adobe zu erschließen. Adobe bediente zwar die Kreativen im Web und hatte auch vor der Übernahme schon Kooperationen, aber keinen eigenen Zugang zu dem Markt für Web Analytics. Diesen soll Omniture mit seiner Suite für Adobe öffnen. So hat sich dann bei der Übernahme von Omniture durch Adobe der ganze Markt gefragt, wo die wirklichen Synergien liegen können. Diese Synergien liegen in der technischen Ebene bei der Integration im Frontend. Flash verbreitet sich als Quasi-Standard und die Integration der Tracking-Lösung von Omniture am Arbeitsplatz der Kreativen ist sicherlich ein Schritt, diese Zielgruppe näher an den Web-Analytics-Markt zu holen.
  • IBM/Coremetrics: Diese Übernahme macht aus meiner Sicht sehr viel Sinn. Coremetrics und IBM sind schon seit Jahren Partner und bieten eine integrierte Lösung mit IBM WebSphere Commerce und  Coremetrics Web Analytics. Die Vorteile für den Kunden könnten integrierte Systeme und eine 360°-Sicht auf die Kundendaten sein. Die Integration in den Backend-Systemen würde den Kunden in die Lage versetzen, eine betriebswirtschaftliche Betrachtung aller online- und offline-Marketing-Aktivitäten zentral vornehmen zu können. Die Integration der Daten aus Coremetrics in die CRM- und BI-Welten von IBM (Cognos, DB2) würde Web-Analytics näher ans Management und ans Controlling innerhalb der Unternehmen heranbringen.

Ich sehe hier zwei verschiedene Ansätze zu möglichen Synergien mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen. Es bleibt abzuwarten, wie der Markt dies bewertet und die Kunden dies annehmen.

War die Übernahme vorauszusehen?

Sicherlich kommt die Übernahme für den Web-Analytics-Markt sehr überraschend. Insbesondere, da Coremetrics in den vergangen Monaten vermutlich einen hohen Aufwand betrieben hat, um ein neues Release ihrer Web-Analytics-Lösung auszurollen. Die Bindung von Ressourcen und Kapital im Vorfeld bzw. parallel zu den Übernahmeplanungen ist nicht alltäglich und zeugt von der Stärke des Unternehmens (Coremetrics) und der Weitsicht von IBM.

Wer profitiert von der möglichen Übernahme?

Mit Sicherheit die privaten Investoren von Coremetrics, aber ich denke auch die rund 230 Mitarbeiter weltweit. IBM bietet Sicherheit und neue finanzielle Kraft für die Weiterentwicklung der Coremetrics-Lösung. Letztendlich werden jedoch die Coremetrics-Kunden von der Möglichkeit einer ganzheitlichen Analyse-Umgebung am meisten profitieren.

Vielleicht bietet sich damit auch für Coremetrics Deutschland die Chance aus dem Schatten der anderen amerikanischen Anbieter heraus zu treten. Einer der naheliegenden Synergieeffekte ist der starke IBM-Vertrieb, der die Coremetrics-Lösung im Portfolio mit den Standardlösungen von IBM abgerundet an Bestandskunden in den Bereichen Handel und Finanzdienstleistung anbieten kann.

Wie geht es weiter?

Wer vor einigen Jahren den Markt für Content-Management-Systeme beobachtet hat, wird nicht ganz überrascht sein. Ähnlich wie Anfang 2000 bei den CM-Systemen ist nun auch der Markt für Web Analytics in einer Konsolidierungsphase. “Freie” Targets für M&A-Aktivitäten sind derzeit noch Webtrends, Unica, AT Internet und eine Reihe von europäischen Anbietern, allen voran sicherlich Webtrekk. Wie sehen andere Beobachter die Entwicklung in der nahen Zukunft? Ich würde mich freuen, Ihre Prognosen kennen zu lernen.


am 16. Juni 2010 unter Analytics, Markt
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Endlich! Unser Buch „Mehr Erfolg durch Web Analytics“ ist da - wir bieten Ihnen eine Leseprobe

Normalerweise sind wir ja vorsichtig, was Eigenwerbung auf unserem Blog betrifft. Aber diesmal machen wir eine Ausnahme: Denn unser Buch „Mehr Erfolg durch Web Analytics - ein Leitfaden für Marketer und Entscheider“ (Hanser Verlag) ist nun im Handel erhältlich (z.B. hier: Mehr Erfolg durch Web Analytics: Ein Leitfaden für Marketer und Entscheider).

Für Neugierige haben wir mit Hanser eine 25-seitige Leseprobe erstellt.

Monate haben wir daran gearbeitet. Einige von Ihnen kennen vielleicht unseren Projektleitfaden aus dem Jahr 2004. Wir waren der Meinung, diesen bräuchten wir nur zu aktualisieren und schon ist unser Buch fertig. Die Realität sah anders aus - wir haben das ganze Buch neu geschrieben und ergänzt um die wichtige neue Erkenntnisse und Weiterentwicklungen der letzten Jahre.

Herausgekommen ist ein Buch, mit dem wir sehr zufrieden sind – und eines, das uns schon lange auf der Seele lag. Denn obwohl es bereits viele lesenswerte Bücher über die Web Analytics gibt, fehlt darin zumeist ein wichtiger Aspekt: das Management eines solchen Projekts. Doch gerade dort entscheidet sich, ob die Web Analytics eines Unternehmens erfolgreich ist oder misslingt!

Aus diesem Grund haben wir unserem Buch den Schwerpunkt Projektmanagement in der Web Analytics gegeben. Wir beleuchten dazu die einzelnen Schritte, zeigen die Fallstricke und erklären anhand zahlreicher Beispiele die Tücken dieser spannenden Disziplin. Technische Themen sind - so hoffen wir - so beschrieben, dass Nicht-ITler wie zum Beispiel Marketer diese gut verstehen und in ihrem Business-Alltag nutzen können, etwa in der Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung.

Das Buch ist für Entscheider und Marketer verfasst, die vielleicht schon erste Erfahrungen in der Webanalyse gesammelt haben aber noch mehr darüber wissen wollen, zum Beispiel:

  • Wie organisiere und strukturiere ich ein Web-Analytics-Projekt im Unternehmen?
  • Was kann ich Toolanbietern glauben und wie gehe ich mit ihnen um?
  • Bei welchen Webanalyse-Ergebnissen muss ich wie reagieren?
  • Wie verbinde ich Web Analytics und Business?
  • Welche technischen Verfahren gibt es? Wie funktioniert zum Beispiel Testing & Targeting?

Damit aus unserem Buch Wirklichkeit wird, haben die Profis des Hanser Verlag, Kira Song (Illustration) und Doris Eichmeier (Redaktionsmanagement) engagiert mit angepackt – herzlichen Dank an sie alle!

Schreiben Sie uns, wie Ihnen unser Buch (oder Leseprobe) gefällt oder welche Themen Sie sich noch gewünscht hätten. Ihre Vorschläge können wir dann in der nächsten Auflage oder in unserem Blog mit einfließen lassen.

Wir freuen uns über Ihr Feedback!

Axel Amthor und Thomas Brommund


am 17. Mai 2010 unter Analytics
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So nicht! Wie Xamit durch Fehlinformationen unsere Branche in Verruf bringt

Aktuell macht eine “Studie” des IT-Spezialisten Xamit die Runde, die Webanalyse-Anwender und -Interessenten sehr verunsichert: Darin steht, dass alle Webanalyseanbieter in Deutschland Datenschutzbestimmungen außer Acht lassen würden - außer einem: etracker.

Wie bitte? Sorry - das können wir auf keinen Fall so stehen lassen!

Die “Studie” “Webstatistiken im Test - Welcher Dienst ist in Deutschland legal?” strotzt vor Fehlern. Das Problem: Xamit betreibt damit ungeniert Öffentlichkeitsarbeit, hat es damit bis in die Internet World geschafft - und bringt so unsere Branche in Verruf.

Hier einige der gröbsten Schnitzer:

Die Auswahl der untersuchten Marktangebote: Xamit nahm gerade einmal neun Angebote unter die Lupe - wobei drei davon (IVW, Piwik und phpmyVisites) eine Extrabehandlung erfuhren und außen vor blieben. Es sind also sechs übrig: Google Analytics (GA), etracker, WiredMinds, Statcounter, Stats4free sowie “weitere Anbieter”. Das bedeutet: Wichtige Marktteilnehmer wie Omniture und Webtrekk wurden außer Acht gelassen. Wie also kommt Xamit auf die Idee, anhand dieser mickrigen Auswahl eine pauschale Aburteilung der gesamten Branche vorzunehmen?

Die “weiteren Anbieter”: Diese sollen laut der Tabelle “Markt 2009″ gerade einmal 1% des Markts ausmachen. Ein Prozent? Für Omniture, coremetrics, WebTrends, Unica, AT Internet und Webtrekk und allen anderen, die nicht untersucht wurden, zusammen? Der Marktanteil von etracker hingegen wird mit 10% angeben. Die Tabelle “Markt 2009″ - ein Witz.

Die Marktbewertung: GA hat laut Xamit einen Marktanteil 79%. Anteil von was? Vom Umsatz wohl kaum, schon eher an der Anzahl der Websites. Hier wird aber nicht berücksichtigt, dass es in zahlreichen Unternehmen üblich ist, mehrere Tools zu verwenden - kostenlose, kostenpflichtige und selbst gebaute.

Die “Checkliste”: Diese müsste eigentlich “Selbstverständlichkeiten-Liste” heißen. Die ersten zwei Fragen lauten etwa: “Ist der Vertrag schriftlich abgefasst?” und  “Ist der Auftragsgegenstand konkret beschrieben?” Wenn ein Unternehmen hinter solchen Fragen kein Häkchen machen kann, dann hat es ein massives Problem -  aber nicht mit dem Datenschutz, sondern schon beim Einkauf, weil die kaufmännische Sorgfaltspflicht nicht eingehalten würde.

Die Argumentation: Wie kommt Xamit darauf, dass die untersuchten Lösungen nicht BDSG-konform sind? Diese Behauptung wird zwar aufgestellt, aber nicht belegt. Interessant ist auch die “Sonderstellung” der IVW. Natürlich sind ihre Statistiken nicht öffentlich und nur den Site-Betreibern zugänglich - wie bei allen anderen auch!

Das Thema “Geolokalisierung”: Der Düsseldorfer Kreis hat das “Speichern der IP-Adresse” als kritisch reklamiert. Wichtig ist, dass für eine Geolokalisierung die IP-Adresse nicht gespeichert werden muss. Der Ablauf ist:

  • Verbindungsaufnahme auf TCP/IP-Ebene mit der IP-Adresse des Client-PCs (das entspricht der “Telefonnummer des Anrufers” und kann sinnvollerweise nicht unterbunden werden)
  • Abfrage der Geolokalisation: “Verwerfen” der IP-Adresse, wird nur noch für die aktuelle Kommunikation benötigt.

Ein Speichern ist nicht nötig. Die Geolokalisierung als solche ist also nicht kritisch. Die Behauptung, diese ginge nur per Opt-In, ist schlicht falsch.

Das Thema “IP-Adressen”: Es gibt in GA keine IP-Adressen. Derjenige, der mir einen Standard-GA-Report zeigt, der eine IP-Adresse enthält (nicht explizit per Custom Parameter gemessen, sondern einen Standard Report ohne Custom Parameter), erhält von mir ein Exemplar unseres Buchs “Mehr Erfolg durch Web Analytics“.

Sehr wohl kann man aber in etracker bei ausgeschalteten IP-Adressen personenbezogene Profile gewinnen  - im Standardreport:

Der Screenshot zeigt eine komplette Session eines einzelnen Benutzers. Die IP ist zwar abgeschnitten, aber deswegen könnte sie trotzdem irgendwo vollständig gespeichert werden (etracker macht ja auch Geolokalisierung). In GA bekomme ich einen solchen Report nicht, kein Wunder: Es gibt ihn nicht (siehe oben). Bleibt also die Frage: Weshalb bewertet Xamit hier etracker höher als GA? Faktisch gibt es dafür keine ausreichenden Anhaltspunkte, wenn man den gleichen “Annahmehorizont” zugrunde legt. Hier wird wohl mit zweierlei Maß gemessen.

Aus dieser “Studie” ziehen wir nur eine Erkenntnis: Das IT-Unternehmen Xamit versucht mit irreführenden Behauptungen Kompetenz in einem Markt vorzutäuschen, von dem es offensichtlich keine Ahnung hat. Von zahlreichen Kollegen hören wir mittlerweile, dass sie von besorgten Kunden und Interessenten angerufen werden, die von der “Studie” gelesen hätten. In diesen Gesprächen dürfen wir nun das Image der Web-Analytics-Branche wieder gerade rücken.

Danke, Xamit!


am 3. Mai 2010 unter Markt
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Alles eitel Sonnenschein? NEG-Studie behauptet: Nur 27% der Unternehmen betreiben keine Webanalyse

Gerade mal ein gutes Viertel der deutschen Unternehmen (27%) verzichtet auf Webanalyse: So steht es in der NEG-Studie “Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2009“. Bevor wir beschreiben, warum wir an diesem Ergebnis unsere Zweifel haben, nennen wir einige weitere, interessante Ergebnisse der Studie. Sie beschreiben, wie deutsche KMUs mit dem Thema Webanalyse umgehen. Zum Beispiel:

  • Jedes zweite Unternehmen, das Webanalyse betreibt, setzt kostenfreie Werkzeuge zur Analyse der eigenen Webaktivitäten ein. Individuelle Lösungen werden von knapp 28% der Befragten genutzt.Lediglich 10% nutzen kostenpflichtige Standardlösungen.
  • Knapp zwei Drittel der Auswertungen werden wöchentlich oder monatlich durchgeführt.
  • Fast 70 Prozent der Befragten nutzen die gewonnenen Erkenntnisse zur Planung von Marketingaktivitäten und rund 16 Prozent zur Prozessoptimierung (es waren Mehrfachnennungen möglich). 30 Prozent ziehen die gewonnenen Informationen allerdings nicht zur fundierten Planung und Umsetzung weiterer Aktivitäten heran.
  • Handwerksunternehmen zeigen die größten Defizite bei der Webanalyse. Sie nutzen seltener als andere Branchen Analyse-Tools und setzen die gewonnenen Erkenntnisse aus den Analysen häufig nicht um. Die Handelsbranche wertet am häufigsten aus.
  • Unternehmen, die kostenpflichtige Standardlösungen einsetzen, führen “überdurchschnittlich häufiger“ Auswertungen durch als jene, die kostenlose oder individuelle Lösungen nutzen.
  • Die Handwerksbranche und die Industrie lagern die Pflege der Website überdurchschnittlich häufig vollständig an externe Dienstleister aus. In der Handelsbranche wird die Pflege des Internetauftritts
    oftmals einem IT-Verantwortlichen überlassen.

An der Studie “Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2009″ nahmen rund 3.262 Unternehmen teil. Auftraggeber war das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Glaubt man also dieser Studie, so hat die Web Analytics bei drei Viertel der Unternehmen Eingang gefunden - das wäre eine sehr erfreuliche Nachricht. Doch bezweifle ich aufgrund unserer täglichen Praxis, dass viele Unternehmen, die behaupten Web Analytics einzusetzen und zu nutzen, dies auch zielgerichtet tun. Diese Zweifel haben wir unter anderem deshalb, weil unserer Erfahrung nach die Auswertung und Durchführung der Web Analytics nach wie vor viel zu häufig in den Händen der IT liegt, die i. d. R. nicht die Businesstreiber sind.

Erheben die befragten Unternehmen relevante Kennzahlen? Führen sie sinnvolle Analysen durch, die anschließend zur einer Optimierung der Website führen? Die Antworten auf diese Fragen bleibt uns die Untersuchung schuldig. Auch die Autoren der Studie stellen hier einen Mangel fest: “Scheinbar ist der Mehrwert einer systematischen Auswertung der Online-Daten für die Ausarbeitung und Umsetzung verschiedener Online-Aktivitäten noch nicht für alle Unternehmen ersichtlich oder der zurückhaltende Einsatz dieser Tools auf fehlendes Know-how im Hinblick auf das Web Controlling zurückzuführen.” Doch die Studienbetreiber zeigen Verständnis: “Jedoch spielen auch hier zeitliche, personelle oder budgetäre Engpässe insbesondere bei kleineren Unternehmen eine nicht außer Acht zu lassende Rolle.”

Zudem legt eine  Untersuchung von OgilvyBrains, die in dieser NEG-Studie zitiert wird,  die Vermutung nahe, dass es mit der Webanalyse nicht zum Besten steht: Demnach weisen nicht nur KMU, sondern auch deutsche Top-Unternehmen Defizite beim Web Controlling auf. “Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen vernachlässigt demnach das Web-Controlling”, so das Fazit dieser Studie (für die Websites der 500 umsatzstärksten deutschen Unternehmen und die der Top-50-Banken unter die Lupe genommen wurden).

Wir schlagen vor, das Thema Webanalyse bei der nächste NEG-Studie etwas tiefer anzugehen. Dann kommt man womöglich zu dem Ergebnis, dass die “Webanalyse”, die Unternehmen angeblich betreiben, den Namen noch nicht verdient.


am 12. April 2010 unter Markt
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Neuer KPI für das Online Marketing: der MCP

Wie der amerikanische Web-Analytics-Tool Hersteller Omniture soeben in einer aktuellen Pressemitteilung veröffentlicht hat, ist es dem Kern-Entwicklungsteam unter extremen körperlichen Entbehrungen gelungen, endlich eine Kenngröße zu entwickeln, die auch die Entschlossenheit des Käufers beim Einkauf in einem Onlineshop exakt erfassen kann.

Dies ist insbesondere für den After-Sales-Service wichtig, um noch nicht vollständig überzeugte Kunden nachträglich positiv zu beeinflussen.

Die gesamte Presse-Mitteilung über den MCP - Mouse Click Pressure - sowie die dahinter liegenden komplexen Algorithmen finden sich hier.

Ab wann die Kenngröße im Produkt SiteCatalyst verfügbar wird und welche Mehrkosten für unsere Kunden anfallen, war derzeit beim deutschen Vertrieb nicht in Erfahrung zu bringen - wir halten Sie auf dem Laufenden!


am 1. April 2010 unter Analytics
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Das Universal Tag (Teil 2): Vorschläge für die Darstellung und den Transport

Im meinem Beitrag “Das Universal Tag (Teil 1): Ein erster Schritt zur Standardisierung in der Web Analytics” berichtete ich über die meiner Meinung nach inhaltlich unbedingt nötigen Fähigkeiten eines standardisierten Tags wie Seiteneigenschaften, Benutzer- oder Produktattribute sowie die frei definierbaren Metriken. Nichts von alldem ist neu - doch was fehlt, ist eine komplette Auflistung. Denn das eine Universal Tag muss alles unterstützen, was die heutigen, herstellerspezifischen Tags in Summe abbilden.

In diesem Beitrag möchte ich mich mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, diese inhaltlichen Anforderungen in eine technische Darstellung zu überführen und die gesammelten Daten an einen Data Collection Server zu übertragen.

Was eignet sich zur Darstellung? XML, JSON und Javascript Arrays sind technisch geeignet, die inhaltlichen Anforderungen abzubilden. Heutzutage ist fast ausnahmslos Javascript im Einsatz, mit einem kunterbunten Mix aus Arrays, Objekten und globalen Variablen.

Ich würde XML für die Darstellung einsetzen. Denn XML hat die Vorteile, dass

  • es ein weit verbreitetes Format ist,
  • es relativ gut menschenlesbar genannt werden kann,
  • es auch ausserhalb der Website viele Tools und Prozesse gibt, die mit diesen Daten etwas anfangen können,
  • XML erlaubt, alle Informationen in eine einzige Variable bzw. Datei zu schreiben, die einfache, hierarchisch und listenartige Daten nebeneinander und im Verhältnis zueinander abbilden kann.

Die per Javascript ermittelbaren Daten (Browser, Betriebssystem, Plugins, Bildschirm etc.) können dort genauso einen Platz finden wie die serverseitigen, zum Beispiel aus dem CMS erzeugten Informationen zu Seiten, Gruppen von Seiten, Server und so weiter. Shop-spezifische Informationen, in der Hauptsache Warenkörbe, sind meist Listen mit Beschreibungen aus Artikelnummern, Größen, Farben, Preisen, Stückzahlen und Informationen über den Bereich, aus dem sie stammen. Auch das lässt sich hervorragend mit XML abbilden.

Daten zu Besuchern, wie die ID des benutzten Werbemittels, die Postleitzahl oder Altersgruppe können im gleichen Datensatz abgelegt werden. Die Befüllung der XML-Struktur kann teils serverseitig mit Java, Php, CMS und teils clientseitig per Javascript erfolgen.

Kurzum: Mit XML wären wir auf der sicheren Seite.

Wie steht es um die Transportmöglichkeiten eines Universal Tag? Grundsätzlich beherrschen unsere Browser zwei unterschiedliche Verfahren, Dateien aus dem Internet anzufordern und dabei zusätzliche Informationen zu übermitteln: GET und POST.

Beim GET sendet der Browser an den Server die Adresse, die hinter einem Fragezeichen eine Reihe von Name-Wert-Paaren enthält. Diese werden üblicherweise mit einem “&” voneinander getrennt, zum Beispiel: http://www.server.domain/pfad/datei.php?seite=home&user=frank&start=0

Firefox, Safari und Opera unterstützen solche Adressen mit mindestens 80.000 Zeichen Gesamtlänge, Microsofts Internet Explorer in den Versionen 5.x bis 8.x leider nur mit maximal 2.083 Zeichen. Dies führt regelmäßig zu Problemen.

Beim alternativen POST sendet der Browser die Daten im Protokoll-Header mit, sie werden nicht Bestandteil der URLs. Dieses Verfahren wird beispielsweise benutzt, um Bilder oder andere Dateien auf Server hochzuladen. Auch Formulare werden oft so übertragen. Sie erkennen diese Technik leicht daran, dass Ihr Browser bei der anschliessenden Benutzung des “Back”-Buttons fragt, ob er die Daten erneut senden soll.

Die beiden Verfahren sind grundsätzlich geeignet, Web-Analytics-Daten zu transportieren. Dennoch wird derzeit nur GET standardmäßig von den großen Herstellern angeboten.

In Frage kommen:

  1. Klassisches Javascript Tag, beschränkt im Microsoft Internet Explorer auf 2083 Byte lange URLs. Längere werden nicht übermittelt.
  2. Noscript Tag (mit der gleichen Beschränkung)
  3. Ajax + serverseitige Messung, ergänzt um Javascript-Automatismen zur Vergabe oder Ermittlung der Visitor ID. Diese ist in der Datenmenge praktisch nicht beschränkt, die einzigen Grenzen liegen bei den Servern, die diese Daten empfangen und verarbeiten müssen. Aber: Bei Ausfall der Infrastruktur wie der Verbindung zum Data Collection Server führt dieses Vorgehen schnell zum Stillstand der eigentlichen Applikation. Wenn man das vermeiden will, muss man sehr aufwändig entkoppeln, Pufferspeicher einbauen etc.
  4. Ein direktes POST zum Data Collection Server: Um das “2083-Byte-Problem” des IE zu umgehen, wäre das in der Implementierung aus meiner Sicht sinnvoll und weniger aufwändig als die serverseitige Messung. Das ist relativ einfach zu erreichen:
  • Anstelle des klassischen Image Tags wird ein FORM verwendet.
  • In einem IFRAME befindet sich ein Formular mit action=”POST”, alle Variableninhalte sind INPUT TYPE=”hidden”.

Die Anforderung an den Data Collection Server ist allerdings, dass er POST-Daten empfangen kann. Omniture kann das beispielsweise nicht an der klassischen IMG-Schnittstelle, aber sehr wohl an der Schnittstelle, die für Data Insertion API ausgelegt ist. Der Schritt weg von der klassischen Image-Request-Methode zu einer ausgefeilteren Technik, die das URL-Längenproblem umgeht, ist sicher nicht für jeden notwendig.

Was jedoch passiert, wenn man nur den Markt analysiert und nach dem aktuellen Bedarf handelt, sehen wir an vielen heutigen Tools: Es entsteht eine Situation, in der die Hersteller nur das Nötige tun, um die Masse ihrer Kunden im kaufmännischen Sinne gut zu bedienen. Wirklicher Fortschritt scheint mir dabei eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Die (Noch-)Einzelfälle, in denen die Grenzen heutiger Implementierungen überschritten werden, nehmen in meinem Tätigkeitsbereich zu und die Workarounds sind jedesmal wieder teuer.

Ist das auch bei Ihnen der Fall? Wir sollten gemeinsam mit dem Aufräumen beginnen, um diese Kosten in Zukunft zu vermeiden.


am 30. März 2010 unter Technik
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