Nichts für große Projekte: Open-Source-Systeme für die Web Analytics

Open-Source-Systeme teilen ein gemeinsames Schicksal: Sie haben vergleichsweise wenig Verbreitung. Und die Websites, für die sie eingesetzt werden, haben eher geringe Reichweiten. Warum ist das so? Sollte nicht eher das Gegenteil der Fall sein - immerhin sind diese Tools kostenlos zu beziehen?

Grund 1: Eine Open-Source-Lösung kann bei reichweitenstarken Websites nicht auf irgendeiner Hardware “mitlaufen”, so wie das bei kleineren Sites oft genügt. Sie muss stattdessen auf eigenen oder zusätzlich gemieteten Maschinen installiert werden. Die Mietkosten für diesen “Fuhrpark” wiederum steigen linear mit der Reichweite der Websites.

Grund 2: Die Datenvolumina, die über Monate gesammelt und vorgehalten werden müssen, wachsen schnell zu mehreren Terabytes heran. Weil diese Daten aufwendig gesichert werden müssen, steigen die Anforderungen an die Hardware: Plattenverbünde im RAID 1 und RAID 5 Cluster, gegebenenfalls Hot Swap und Hot Spare sind hier keine Seltenheit. Und diese Infrastruktur kostet - sowohl in Anschaffung, Abschreibung als auch in Betrieb. So kalkuliert man im Data-Warehouse-Umfeld die Betriebskosten für ein Terabyte Datenkapazität zwischen 10.000 bis 25.000 Euro pro Jahr TCO (Total Cost of Ownership). Vergleicht man die TCO mit den Kosten, die für SaaS- beziehungsweise ASP-Lösungen anfallen würde, ist letzteres meistens günstiger. Geht der Anbieter auch noch Service-Level-Agreements für die Verfügbarkeit seiner Systeme ein, bekommt man zudem höhere Qualität für weniger Geld  - wenn man eine ganzheitliche TCO-Betrachtung anstellt.

Grund 3: Der geringe Einsatz von Open-Soure in der Web Analytics hat auch mit den Verantwortungsstrukturen der Unternehmen zu tun: Welche Marketing Abteilung ist schon in der Lage, ein IT-Projekt auf Open-Source-Basis für das Unternehmen zu stemmen? Die IT-Abteilungen wiederum haben differenzierte Standpunkte, wenn es um den Einsatz von Open-Source geht. Hier kommt die häufige Abneigung “IT versus Marketing” zum Tragen, denn das Marketing würde die IT wohl nie um den Aufbau eines Open-Souce-Projekts bitten. Stattdessen werden Standardlösungen angeschafft: Das geht schneller, man braucht keine IT-Abteilung und die Anschaffung ist am Ende billiger.

Unsere drei aufgeführten Gründe sind vor allem für mittlere bis hohe Reichweiten relevant. Kleinere Corporate Sites ohne strategischen Impact sind mit Systemen wie Piwik recht gut beraten. Eine informative Quelle zum Thema Open Souce Tools ist zum Beispiel  “Open Web Analytics“.

Prinzipiell aber gilt: Man sollte die Kosten, die rund um den Einsatz eines Open-Source-Systems entstehen, im Auge behalten. Sonst zahlt man am Ende noch drauf. Lesenswert zum Thema Kosten in der Web Analytics im Allgemeinen ist ein Artikel von Judah Phillip im Blog WebAnalyticsDemystified: “It Takes a Village Or A City And More…


am 23. November 2009 unter Analytics

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