Sind wir auf dem Weg zur Webpräsenz-Analytics?

Welche Rolle spielt die klassische Unternehmens-Website noch im Netz? Bastian Scherbeck, Berater Social Media bei achtung! Kommunikation, beantwortet diese Frage in seinem sehr lesenswerten Blogbeitrag “Google ist Deine neue Homepage! (Noch)“. Scherbecks Argumentation: In Europa starten 87% aller Online-Aktivitäten mit der Suche - vor allem in Google. “Damit ist … Google faktisch die Homepage jedes Unternehmens”, so der Agenturmann.

Folgt man dieser Argumentation, bedeutet das: Eine Unternehmens-Website muss sich auf der “Homepage Google” gegenüber Firmeninformationen behaupten, die woanders publiziert werden und ebenso in Google gelistet sind. Sie ist nur ein einzelnes Angebot in einer langen Liste.  Zu den Konkurrenten der Homepage zählen:

  1. Inhalte, die das Unternehmen selbst auf Web-2.0-Plattformen veröffentlicht, etwa auf Facebook, MySpace und YouTube
  2. Inhalte, die nicht vom Unternehmen erstellt wurden, also zum Beispiel “User Generated Content” in Blogs und Foren

Was bedeutet das für die Web Analytics? Damit Unternehmen einen relevanten Überblick ihrer Online-Präsenz bekommen, müssten sie diese beiden Inhaltsquellen in ihre Webanalyse mit einbeziehen. Das Website Tracking müsste mit dem Web Monitoring - bisher zwei unterschiedliche Disziplinen des Marketings - korrespondieren. Die Web Analytics würde komplexer, aber sie wäre Lieferant spannender neuer Erkenntnisse. Web Analytics würde sich wandeln zur Webpräsenz-Analytics.

Aufgrund dieser Entwicklung scheint es kein Wunder, dass das Interesse der Web-Analytics-Branche am Web 2.0 wächst. Dass die Analyse von Social-Networking-Sites wie YouTube, Facebook und Twitter derzeit zu ihren Topthemen gehören, zeigte sich in dem Omniture-Webinar “MyFaceLinkSpaceTwitBookBoosting Conversion with Social Networks”. Mehr als 500 Interessenten aus dem EMEA-Wirtschaftsraum lauschten im Juni dem Vortrag von Martyn Jobber, Director of Presales Consulting, Omniture EMEA in London. (Die Aufzeichnung des Webinars bietet Omniture zum Anhören und  Downloaden an. Auch die deutsche Fassung “MyFaceLinkTwitBook: Über Social Networks die Konversion erhöhen” steht zum Download bereit.)

Einige Anbieter von Web-Analytics-Tools haben bereits auf diese Entwicklung reagiert und bieten Services sowohl für Tracking als auch für Monitoring. Wer Interesse an einer Marktübersicht hat, kann sich gerne an mich wenden: axel.amthor@contentmetrics.de.

Was ist Ihre Meinung? Wie sollten Web Analytics und Web Monitoring in Zukunft zusammenarbeiten?


am 9. Juli 2009 unter Analytics
3 Kommentare

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Kommentare:

  1. Markus Hübner schrieb am 9. Juli 2009:

    Unternehmen müssen lernen die Bereiche Kommunikation und Markenführung auf den Bereich Social Media auszuweiten. Sowohl was das Thema der Markenkontrolle (brand monitoring) wie der aktiven Steuerung der Inhalte angeht.

  2. Jörg Hoewner schrieb am 9. Juli 2009:

    Beides wird ja im Prinzip bei vielen Unternehmen schon gemacht: Website Metrics und Web Monitoring. In der Tat werden diese beiden “Sphären” noch zu wenig integriert betrachtet. Insofern ist es ein logischer Schritt, dass Web Analytics-Anbieter da mit anbieten (WebTrends geht ja auch in diese Richtung).

    Ich bin nur gespannt, ob das operativ klappt. Denn das Tracking von User Generated Content und Meinungen im Web ist doch was ganz anderes, als das Mining von relativ exakt messbaren User-Website-Interaktionen. Selbst viele Monitoring-Spezialanbieter haben hier noch einen riesigen Nachholbedarf.

  3. Axel Amthor schrieb am 9. Juli 2009:

    @ Herrn Hoewner, @ Herrn Hübner
    Ja, da haben Sie wohl beide ein Problemfeld angesprochen, in dem auch ich die größte Herausforderung sehe: die operative Umsetzung einer Integration und, einhergehend damit, die Realisierung der aus den Zahlen gewonnen Erkenntnisse (so sie denn überhaupt analysiert werden und nicht nur “reported”.)

    Im Markt beobachten wir derzeit in der Tat mehr ein Heranwachsen der klassischen WA Tools an das Thema Brand Monitoring als umgekehrt. Dies liegt IMHO wohl in der Herkunft der Unternehmen begründet, die meisten “Markenbeobachter” kommen aus dem Agenturumfeld, was sich selbst heute mit Web Analytics noch recht schwer tut - ihr Beispiel WT steht da für viele andere Unternehmen auch.

    Gruß,
    Axel Amthor

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