7 Thesen für die Zukunft der Web Analytics
Vor genau fünf Jahren, am 26. November 2003, haben wir, Axel Amthor und Thomas Brommund, das Unternehmen contentmetrics GmbH gegründet. Es ist fast unglaublich, mit welcher Dynamik sich seitdem der Markt der Web Analytics entwickelt hat. Zu unserer Gründungszeit gab es in Deutschland nur wenige populäre Tools wie etracker, Sitestat oder WebTrends, mit denen Web Analytics hätte durchgeführt werden können. Die meisten uns heute bekannten amerikanischen Web-Analytics-Anbieter waren in Deutschland noch gar nicht präsent.
Unternehmen der deutschen Wirtschaft, die vor fünf Jahren die Bedeutung der Web Analytics erkannten, waren in der Regel mit einfachen Reporting Tools zufrieden. Doch Anfang 2004 gerieten wir an Kunden, die mehr haben wollten: Für sie nahmen wir mit allen namhaften amerikanischen Web-Analytics-Anbietern Kontakt auf und recherchierten, ob ihre Tools für die höher werdenden Ansprüche unserer Kunden geeignet sind. Eine ernüchternde Erfahrung, denn lediglich ein Unternehmen antwortete uns: Omniture. Das Unternehmen startete mit einer Person das Europageschäft - und so wurden wir das erste Unternehmen in Deutschland, das Omniture Lösungen bei Kunden umsetzte.
Heute, nur 5 Jahre später, ist contentmetrics zu einem Unternehmen mit 13 Mitarbeitern herangewachsen. Wir arbeiten mit nahezu allen führenden Anbietern auf dem weltweitem Web-Analytics-Tool-Markt zusammen - Coremetrics, Omniture, WebTrends, WebTrekk sowie den gesponserten Produkten von Google und Yahoo - Google Analytics und Yahoo Analytics.
Was uns besonders freut: Unser Rat als unabhängiges Beratungsunternehmen ist mehr gefragt denn je.
Die Aufgaben werden interessanter, aber auch wesentlich komplexer. Daher ist aus unserer Sicht, die Anforderungsaufnahme, das “Requirement Engineering”, der wichtigste Part der Web Analytics - erst dann kommt das Tool.
Wir sind schon gespannt auf die nächsten fünf Jahre! Wird sich der Web Analytics Markt bis 2013 ähnlich rasant entwickeln? Das sind einige unserer Thesen für die Zukunft:
- Web Analytics wird Teil einer kompletten Marketing Controlling Lösung. Betrachtet man die Entwicklung bei den führenden Web-Analytics-Unternehmen, so werden immer mehr Kompetenzen aufgebaut oder zugekauft. Themen wie Bid-Management, Testing, Targeting, Online Surveys, Kampagnenmanagement werden inzwischen von fast allen Web-Analytics-Unternehmen bedient. Doch nach wie vor fehlt es aus unserer Sicht an der Integration des Offline-Marketings. Lediglich ein mir bekannter Anbieter ermöglicht derzeitig eine Verbindung der beiden Vermarktungskanäle - Unica.
- Web Analytics wird eine reine Disziplin des Marketings und Vertriebs. Bislang gibt es kein einheitliches Vorgehen in deutschen Unternehmen. Web Analytics wird nicht selten von der IT-Abteilung oder dem Controlling betrieben. Doch weil es vor allem die Marketer und Vertriebsprofis sind, die mit den Ergebnissen der Web Analytics arbeiten, wird es ihre Disziplin werden.
- Web Analytics wird fester Bestandteil der Business Intelligence. Das Internet und alle dort stattfindenden Aktivitäten wie E-Commerce, werden dank intelligenter Web Analytics einfließen in die komplexen Business-Intelligence-Stukturen der Unternehmen. Das Insel-Dasein der Online-Aktivitäten gehört der Vergangenheit an. Die Integration mit CRM, Business Intelligence, Data Warehousing und Data Mining werden selbstverständlich sein.
- Die Marktebereinigung wird voranschreiten. Nicht alle Tools werden auf dem Markt bleiben. Wir gehen davon aus, dass weiterhin Anbieter von anderen Marktteilnehmern übernommen werden.
- Web Analytics ist auf dem Weg zur “Commodity”. Der “Lebenszyklus” der Technologie schreitet voran und wir nähern uns dem Punkt, an dem Produkte zu “Commodity” werden. Dies hat substantielle Auswirkungen: Die Tools werden mehr und mehr austauschbar. Nicht mehr die “Featuritis” entscheidet über ihren Einsatz, sondern die Kompetenz und die Performance ihres Anbieters in allen organisatorischen Einheiten wie Vertrieb und After-Sales-Services. Die Käufer werden immer erfahrener im Umgang mit der Technologie und sind nicht mehr mit unnützen Gimmicks zu ködern. Stattdessen setzen ihre ausgereiften Procurement-Prozesse die Hersteller und Anbieter unter Druck.
- Die Tools und Web Analytics Aufgaben werden sich weiterentwickeln. Die Echtzeitanalyse wird genauso selbstverständlich sein wie „Testing & Targeting“ (das automatisierte Optimieren verschiedener Webangebots-Varianten).
- Web-Analytics-Kompetenz wird stark gefragt sein. Unternehmen bauen schon jetzt Web-Analytics-Kompetenz in ihren Marketing- und Vertriebsabteilungen auf. Der Trend wird sich verstärken. Job-Angebote bzw. die Nachfrage nach kompetenten Mitarbeitern werden weiterhin stark zunehmen.
Was sind Ihre Prognosen? Wie wird der Markt 2013 Ihrer Meinung nach aussehen? Welche Produkte werden führend sein? Wie werden Unternehmen mit Web Analytics umgehen?
Wir freuen uns auf Ihre Meinung und auf eine angeregte Diskussion!
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Na dann erstmal Glückwunsch zum 5Jährigen und das es so weiter geht. Web Analytics ist trotz der rasanten Entwicklung immer noch ein Wachstumsmarkt und Beratung in dem Umfeld wird auch in weiteren fünf Jahren noch sehr gefragt sein. Evtl. sollten wir auch einsteigen? Ach nein wir bleiben bei der Software, das können wir!
Hallo,
Web-Analytics nach den herkömmlichen Methoden sind eine Seite der Medaille. Mit der Verlagerung zum Service-Provider kommen Techniken auf uns zu, die unser Surfverhalten stark verändern werden.
S. hierzu auch mein Blog-Beitrag: http://eine-minute.blogspot.com/2008/10/werbekunden.html
Gruß,
Stefan / [int'ju(:)itiv]
Stimme in allen Punkten überein. Vielleicht sollte der Trend weg vom simplen deskriptiven und prozessorientierten Ansatz (Klick, Visit & Co) zur komplexen Inhaltsanalyse (Kundenwünsche, Suchinhalte, Kundenhintergrund) noch deutlicher werden. Das ist ja eigentlich erst die Grundlage der Verlagerung von Analysen in Richtung Marketing.
Liebe Grüße aus Stuttgart,
Nils
@Stefan / intuitiv:
Danke für den Beitrag. Web Analytics befasst sich mit der Effizienzsteigerung von Websites und wird dabei immer die Belange des Datenschutzes und der Einhaltung der Privatsphäre des Anwenders zugrundelegen (zumindest ist das unsere dringende Empfehlung an unsere Kunden).
Das, was derzeit Provider anbieten, würde ich nicht als Web Analytics bezeichnen sondern als Anwenderauspioniererei. Insofern d’accord.
Gruß,
Axel Amthor
@Christian
Danke für die Glückwünsche, wir sehen uns am Mittwoch ;-)
Gruß,
Axel
-
@Nils König
Danke für Ihren Beitrag, der einen interessanten Aspekt aufwirft, was den prozessorientierten Ansatz anbelangt. Wie wir in diesem Blog bereits aufgezeigt hatten, ist das schlimmste was manchen Unternehmen passieren kann, das sie n ihren Zahlen Abweichung (zu vorher, vom Soll, …) feststellen. Was nun? Web Analytics ist auch ein Prozess mit sehr unterschiedlichen Beteiligten, je nach Ausgangslage. Eric T. Peterson hat hier einen sehr interessanten Beitrag beigesteuert, findet man auf http://blog.webanalyticsdemystified.com/weblog/2007/05/free-white-paper-on-web-analytics-business-process.html
Wie schaut es damit den bei Daimler aus?
Gruß,
Axel Amthor
[...] meiner bisherigen Liste noch fehlte. Beim Stöbern der Artikel ist mein Augenmerk auf den Artikel “7 Thesen für die Zukunft der Web Analytics” von Thomas Brommund gefallen, zu dem ich einige Anmerkungen [...]